Diesel-Verkehrsschild
Greenpeace Gastautor
11.09.2017

Merkels Märchen über den Dieselskandal

Erwischt!

Die Bundeskanzlerin hat sich zuletzt häufig zum Dieselskandal geäußert und dabei so manche falsche Behauptung aufgestellt. Hier drei Beispiele:

1. Schlechte Luft in Städten hat nichts mit Dieselgate zu tun

“Selbst wenn diese Autos alle so Abgase ausstoßen, wie das in der Typengenehmigung gesagt wird, selbst wenn dieser Vertrauensbruch nicht stattgefunden hätte, hätten wir die Umweltprobleme außerdem noch.” (TV Duell, 3. September 2017 - ab 1h15min)

Richtig ist: Wie Messdaten des Umweltbundesamts belegen, stammen die Stickoxidbelastungen in deutschen Innenstädten zu 61 Prozent aus dem Verkehr. Die Verkehrsemissionen wiederum rühren zu 72,5 Prozent von Diesel-Pkw. Die Tatsache, dass selbst neueste EURO6-Diesel die geltenden Grenzwerte im Schnitt um 534 Prozent überschreiten, ist unmittelbar für die hohe Belastung in den Städten verantwortlich. Das Umweltbundesamt schätzt, dass mit Ausnahme von wenigen Straßenabschnitten die Stickoxidbelastung unter die Grenzwerte sinken würde, wenn die die Abgasreinigung der Autos auch auf der Straße wie versprochen funktioniert.

2. Software-Updates machen betrügerische Autos sauber

“Es ist unbestritten, dass diese Softwareoptimierung etwas bewirkt, denn damit wird behoben, was Sie zu Recht Betrug nennen, nämlich dass die Abgassysteme durch die Software so eingestellt waren, dass sie nur in einem ganz schmalen Temperaturbereich und nur unter ganz bestimmten Fahrbedingungen ihre Wirkung entfalten. Nach dem Update wird die potenzielle Leistungsfähigkeit der Abgasbehandlung immer abgerufen – und nicht nur in einem Ausschnitt.” (Interview im Spiegel 36/2017)

Richtig ist: Auch nach den Softwareupdates, die VW seit dem vergangenen Jahr durchführt, rufen die Abgasreinigungen der Autos nicht das ab, was sie auf dem Papier angeben. Die Grenzwerte werden nach VW-Angaben auf der Straße immer noch um das drei- bis fünffache überschritten. Auch die Thermofenster und weitere Abschalteinrichtungen sind weiter aktiv. Das muss die Bundesregierung wissen, denn VW hat das Kraftfahrtbundesamt über die Einschränkungen der Softwareupdates informiert.

3. Der Diesel schützt das Klima

Wir brauchen den Diesel für den Klimaschutz.” (TV Duell, 3. September 2017 - ab 1h14min)

Richtig ist: Der Diesel besitzt nur noch einen theoretischen Klimaschutzvorteil. Da gerade Diesel-Pkw immer schwerer und stärker motorisiert worden sind, stoßen sie heute genauso viel CO2 aus wie Benziner. Das Umweltbundesamt hat mit Verweis auf die Zulassungszahlen des Kraftfahrtbundesamts bereits mehrfach darauf hingewiesen. Einer der Gründe für diese Entwicklung sind steuerliche Fehlanreize durch das Dienstwagenprivileg und die steuerliche Bevorzugung von Diesel. Das Kraftfahrtbundesamt weiß seit 9 Jahren von dem Problem und hat das auch an die Bundesregierung weitergegeben.

Fazit: Die Fakten auf Basis derer die Bundeskanzlerin den Diesel verteidigt, sind offensichtlich falsch. Ihre Prognose, dass wir den Diesel noch auf Jahrzehnte bräuchten, fällt so auch in sich zusammen. Was wir brauchen, ist jetzt ein Ausstiegsdatum für Diesel und Benziner. Ab 2025 dürfen keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Um die Gesundheitsbelastung in den städten schnellstmöglich in den Griff zu bekommen, brauchen wir die blaue Plakette und wirksame Hardwarenachrüstungen für Diesel-Pkw. Nur so lässt sich die Stickoxidbelastung schnell senken.

 

Autor Benjamin Stephan ist Verkehrsexperte bei Greenpeace Deutschland.

Tags
Diesel, Verkehr
Topic
Energiewende
Format
Analyse

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