Header Gülle
Portrait Martin Hofstetter
30.01.2017

Prosit Gülleneujahr! Warum es jetzt wieder stinkt

Es ist wieder Gülleneujahr! So mancher Landwirt wird am 1. Februar innerlich eine Rakete losschießen, denn das Datum bedeutet: Ab sofort darf auf den Äckern wieder Gülle, Jauche und Mist ausgebracht werden. Hintergrund: es gibt in Deutschland eine zeitliche Vorgabe, wann Dünger nicht ausgebracht werden darf, um die Umwelt zu schützen. Während der sogenannten Vegetationsruhe im Winter können Pflanzen nichts mit den leichtlöslichen Nährstoffen aus dem Tierdung anfangen. Stattdessen drohen der darin enthaltene Stickstoff und Phosphate die Umwelt zu belasten. Für die Ausbringung gilt in Deutschland im Winter eine „Sperrfrist“, in der Gülle auf keinen Fall ausgebracht werden darf. Auf dem Acker beginnt diese am 1. November, auf Grünland 2 Wochen später.

Güllelachen auf einem Acker an der Ostsee

Gülleneujahr folgt auf Güllesilvester

Der Beginn der Sperrfrist wird auf dem Land Güllesilvester, das Ende Gülleneujahr genannt. In unseren Nachbarländern Niederlande und Dänemark gelten deutlich längere Fristen. Güllesylvester ist dort häufig direkt nach der Ernte im Herbst. Deshalb müssen die niederländischen Landwirte Lagerkapazitäten für 7 Monate, die dänischen sogar für 9 Monate vorhalten. Auch sonst gelten im Ausland schärfere Regeln.  Beim Handel mit Gülle wird in den Niederlanden bei jedem Transport automatisch eine Probe gezogen und der Stickstoffgehalt analysiert. Der aufnehmende Betrieb muss diese Menge bei sich verbuchen. Jeder Transport muss gemeldet werden und wird mit GPS überwacht. In Deutschland gibt es so etwas nicht.  Dabei steht Deutschland ordentlich unter Druck. Die Düngegesetzgebung muss überarbeitet werden, weil in Deutschland die Nitratwerte im Grundwasser nicht sinken, sondern teilweise sogar steigen. Die EU klagt daher gegen Deutschland beim europäischen Gerichtshof. Hohe Strafen drohen, die der Steuerzahler letztendlich zahlen muss.

Immerhin: Laut Düngegesetzgebung darf hierzulande eigentlich nicht auf wassergesättigten, gefrorenen oder mit Schnee bedeckten Flächen Gülle ausgebracht werden. Doch so mancher Landwirt, bei dem die Güllegruben jetzt zum Bersten gefüllt sind und überzuschwappen drohen, wird den Drang verspüren, den Abfall aus seiner Tierhaltung dringend loszuwerden. Zumal sich auf gefrorenen Böden das schwere Güllefass deutlich besser ziehen lässt als auf aufgetauten Böden.

Kein Wunder, dass es bei uns mehr stinkt!

Mit der ansteigenden Tierhaltung und dem Umbau der Haltungssysteme weg von Stroheinstreu ist auch die Güllemenge angestiegen. Insgesamt werden jährlich laut Agrarstatistik 191 Millionen Kubikmeter Gülle, Jauche und Gärreste ausgebracht. Rund zwei Drittel auf Ackerland, etwa ein Drittel auf Dauergrünland.  Mit einem Anteil von rund 60 Prozent wird am häufigsten mit Rindergülle gedüngt. Aber auch Schweinegülle (19 Prozent) und flüssiger Gärrest aus Biogasanlagen (17 Prozent) spielen eine große Rolle. Die restlichen 4 Prozent entfallen auf Jauche (Urin-Wasser-Gemisch) und sonstige Gülle.

Wenn sie in den nächsten Tagen übers Land fahren sollten und Ammoniakschwaden in ihre Nase ziehen, können sie davon ausgehen, dass der Geruch aus der Tierhaltung stammt. In unseren Nachbarländern muss die Gülle direkt in den Boden eingebracht werden. Das vermindert die Geruchsbelästigung. Bei uns dürfen Landwirte die Scheiße durch die Luft schleudern und müssen sie erst nach maximal vier Stunden eingearbeitet haben. Kein Wunder also, dass es bei uns mehr stinkt!

Format
Analyse


Weitere Beiträge zum Thema


Diskutiere mit uns

Bitte einloggen oder registrieren, um Kommentare zu schreiben.

Zitat: "In unseren Nachbarländern muss die Gülle direkt in den Boden eingebracht werden. Das vermindert die Geruchsbelästigung. Bei uns dürfen Landwirte die Scheiße durch die Luft schleudern und müssen sie erst nach maximal 4 Stunden einarbeiten. Kein Wunder also, dass es bei uns mehr stinkt!"

Grundsätzlich stimme ich dem Beitrag zu. Das o.g. Zitat hat mich jedoch etwas verwundert. Ein "durch die Luft schleudern" der "Scheiße" ist meines Wissens, gemäß Düngeverordnung, nicht mehr zulässig. Alte Güllefässer mit zentralen Pralltellern und ähnliche Ausbringungsmethoden, welche die Gülle nach oben gerichtet "durch die Luft schleudern" sind nicht mehr zulässig. Auch muss der Landwirt die Gülle nicht erst nach max. 4 Stunden einarbeiten, sondern die Einarbeitung muss spätestens 4 Stunden nach der Ausbringung vollständig abgeschlossen sein. Das ist ein kleiner aber bedeutender Unterschied.

So wie das o.g. Zitat formuliert ist, stellt es den Sachverhalt, meiner Meinung nach, nicht ganz wahrheitsgemäß dar.
Und eine letzte Anmerkung noch, bei "Gülleneujahr folgt auf Güllesilvester" 1. Absatz, 3. Zeile von unten, muss es "werden" heißen -> "Die Düngegesetzgebung muss überarbeitet werden..."

Mit besten Grüßen,
Victor