Greenpeace Gastautor
11.01.2017

Exxon-Chef Rex Tillerson als US-Außenminister: Die letzten Atemzüge einer sterbenden Industrie

Wie die Ölindustrie nach der Macht greift, um sich über Wasser zu halten

Im Dezember verkündete Donald Trump offiziell, den Exxon-Vorsitzenden und -Geschäftsführer Rex Tillerson zum neuen US-Außenminister zu ernennen. Als Reaktion, äußerten nicht nur Vorschullehrer, sondern auch der Ölindustrie nahestehende Senatoren wie Marco Rubio ihre Bedenken. Man ist geneigt, die Nominierung als endgültige Symbiose zwischen Big Oil und Staat, als das Ende vom Klimaschutz und als Beweis für die Unbesiegbarkeit der Ölgiganten misszuverstehen. Zweifelsohne ist Tillerson eine erschreckende Wahl. Die Jahrzehnte der Täuschung durch Exxon haben dazu beigetragen, die Menschheit unumkehrbaren Klimafolgen auszusetzen, und werden von Trump mit dem Schlüsselposten der US-amerikanischen Außenpolitik belohnt.

Ein Greenpeace-Aktivist protestiert während der Anhörung beim Foreign Relation Committee gegen die Nominierung von Rex Tillerson als zukünftigen Außenminister der USA. Tillerson war Vorsitzender und Geschäftsführer des Ölunternehmens ExxonMobil.

Tillersons Nominierung zeigt: Die Ölindustrie ist verzweifelt

Saubere Energie boomt und es wird zunehmend unrentabel Öl zu fördern. Das bedeutet: Investoren kehren Ölfirmen wie Exxon den Rücken. Gleichzeitig nehmen die lokalen und nationalen Widerstände gegen Öl- und Gasinfrastrukturen zu – wie die Bewegung gegen die Dakota Access Pipeline. Der Protest erinnert uns daran, wie unbeliebt diese Firmen sind.

Exxon reagiert darauf mit Millionen für Werbekampagnen wie „Energy Lives Here“. In den Anzeigen zeigt Exxon seine innovative Technologie und bekräftigt sein Versprechen, Verschmutzung zu reduzieren, mit O-Tönen von hippen Ingenieuren und Wissenschaftlern. Vergesst die ölverschmutzten Vögel… Exxon ist jetzt cool, Kinder!

In Wirklichkeit verlässt sich Exxon auf Partnerschaften mit skrupellosen, autoritären Regimen, um gut bei Kasse zu bleiben. Exxons hält einige seiner größten Öl-Holdings in der russischen Arktis. Tillerson hat dort einen Vertrag mit Igor Sechin, dem Geschäftsführer von Rosneft abgeschlossen – einem Mann, den lokale Medien als Darth Vader bezeichnen. Die engen Geschäftsbeziehungen zu Russland haben Tillerson geholfen, in der Unternehmensleiter aufzusteigen.

US-Sanktionen gegen Russland haben Exxon bereits mehr als eine Milliarde US-Dollar gekostet. Vielleicht ist es für Tillerson ja ein kleiner Trostpreis, das ihm Vladimir Putin die Auszeichnung “Order of Friendship” verliehen hat.

Kurz gesagt: Exxon braucht die Macht des US-Außenministeriums, damit sein Geschäftsmodell auch weiterhin funktioniert. Nur mit Einfluss auf die US-Außenpolitik kann die Ölindustrie langfristig profitabel wirtschaften. Ein schlechtes Geschäftsmodel!

Jemand wie Apple-Geschäftsführer Tim Cook scheint nicht sonderlich erpicht darauf, Außenminister zu werden. Seine Kunden wollen iPhones. Tatsächlich haben sich in den Wochen nach Trumps Sieg große US-Unternehmen zum Klimaschutz verpflichtet – sie sind nicht auf Trump angewiesen, um erfolgreich zu bleiben.

Tillerson weiß, dass erneuerbare Energien beliebt sind – über demografische und politische Grenzen hinweg. Er weiß, dass sie den günstigsten und effizientesten Weg bieten, Menschen mit Energie zu versorgen und ihnen wirtschaftliche Vorteile zu verschaffen. Er tritt dem Kabinett von Trump bei, um den Fortschritt zu bremsen und die Pfründe befreudeter Oligarchen zu sichern.

Die Ölindustrie hat ihre Karten auf den Tisch gelegt: Sie möchte den Eindruck erwecken, sie sei zu mächtig, um einfach abgewickelt zu werden. Doch wir lassen uns nicht täuschen. Wir wissen, was wirklich vor sich geht: Es handelt sich um die letzten Atemzüge einer sterbenden Industrie, die alles dafür in Bewegung setzt, um ihren Untergang abzuwenden.

Das bedeutet: Wir sind nicht mehr weit entfernt vom Erfolg.

Ein Gastbeitrag von Kelly Mitchell (Energy Campaign Director bei Greenpeace USA). Der Blog erschien zuerst bei Greenpeace USA.

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Energiewende

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