Baumstamm in Molongo, Kamerun
Portrait Jannes Stoppel
26.10.2016

Warum der afrikanische Regenwald bis nach Deutschland reicht

Die zentralafrikanischen Regenwälder sind neben dem Amazonas-Regenwald die größten tropischen Wälder der Welt. Sie sind Quell des Lebens und Hotspot der Artenvielfalt. Tiere wie die Waldgiraffe, Gorillas oder Bonobos, sind hier zu Hause. Doch um die zweite grüne Lunge der Welt zu retten, brauchen die Länder im Kongobecken viel Hilfe von außerhalb, auch von Deutschland.

Urwald in Kamerun

Was steht auf dem Spiel?

Die größten der noch intakten Waldgebiete des waldreichen Kongobeckens befinden sich in der Demokratischen Republik Kongo (DRK). Aber auch die anderen Kongo-Länder Gabun, Kamerun, Äquatorial Guinea, die Zentralafrikanische Republik und die Republik Kongo beherbergen große Teile dieses besonderen Wald-Ökosystems. Doch die Waldflächen schrumpfen. Afrika verlor zwischen 1990 und 2015 durchschnittlich 32.400 Quadratkilometer natürliche Waldfläche pro Jahr, eine Fläche größer als das Bundesland Brandenburg.  Die Kongo-Region steht hier vor allem unter Druck.  Das Problem: Korruption spielt bei der Vergabe von Landnutzungskonzessionen eine verheerende Rolle und illegaler Holzeinschlag bleibt oft ungestraft. Alleine in der Demokratischen Republik Kongo sind bis zu 90 Prozent aller Holzeinschlagsaktivitäten illegal oder informell.

Im Jahr 2002 erkannte die Regierung der Demokratischen Republik Kongo den Ernst der Lage: Als Antwort auf weitreichende Illegalität und Korruption im Wald-Management wurde ein Moratorium auf die Vergabe von neuen Forstkonzessionen beschlossen. Darüber hinaus wurden der Tausch, die Standorterweiterung und die Wiedernutzbarmachung von alten Konzessionslizenzen verboten.

Moratorium fast gebrochen

Vierzehn Jahre danach steht das Moratorium auf wackeligen Beinen. Schon im März 2016 warnten Greenpeace und andere Verbände davor, dass die Regierung das Moratorium auflösen könnte. Nun deckten meine afrikanischen Kollegen und Kolleginnen auf, dass schon letztes Jahr drei neue Konzessionen von dem damaligen Umweltminister Bienvenu Liyota Ndjoli illegal vergeben wurden. Der derzeitige Umweltminister annullierte daraufhin die Vergabe dieser Konzessionen für eine Waldfläche, die etwa sieben Mal so groß ist wie Berlin (650.000 Hektar). Dank der Recherchen meiner Kollegen vor Ort wurde das Ende des Moratoriums damit vorerst abgewendet.

Mandrill im Mefou-Primaten-Park in Yaounde
Mandrill im Mefou-Primaten-Park in Yaounde, Kamerun. Affen verlieren im Kongobecken zunehmend Lebensraum.

Doch es braucht eine langfristige Stabilisierung des Moratoriums und da kommt auch Deutschland mit ins Spiel: Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit sollte die deutsche Regierung eine Sicherung des Moratoriums und mehr Transparenz im Waldmanagement als Kondition für weitere Förderungsmaßnahmen einfordern. Das Wald-Projektbudget des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) für die Kongo-Region beläuft sich immerhin auf 280 Millionen Euro. Damit ist Deutschland im Kongo eines der großen Geberländer für Klimaschutzmaßnahmen, die die Verminderung von Treibhausgasen durch die Prävention von Waldzerstörung oder über Wiederbewaldungsmaßnahmen zum Ziel haben. Neben dem bilateralen Einfluss kann Deutschland über die neu gegründete Initiative CAFI (Waldinitiative für Zentral Afrika) und der Regionalen Unterstützung der Zentralafrikanischen Waldkommission (COMIFAC) Einfluss auf den Schutz der Kongo-Regenwälder nehmen.

Warum sollten uns die Kongo-Regenwälder kümmern? Neben den borealen Wäldern im Norden sind gerade die tropischen Waldregionen Asiens, Südamerikas und das Kongobecken in Afrika von größter Bedeutung für den Klimaschutz. Ohne den Schutz dieser Wälder und ohne eine massive Wiederbewaldung von bereits zerstörten Waldgebieten können wir die Klimaerwärmung nicht auf die 1,5 Grad bis 2050 begrenzen. Der Verlust der Kongo-Regenwälder betrifft somit uns alle und deshalb steht auch Deutschland in der Pflicht, seinen Einfluss über Politik und Wirtschaft geltend zu machen und den Kongo-Staaten zu helfen, Entwicklungsinitiativen zu fördern, die die letzten Urwälder nicht zerstören.

Topic
Wälder

Portrait Jannes Stoppel

Jannes Stoppel

Jannes Stoppel, MA International Development Studies, schrieb seine Masterarbeit zu Klimaschutzinitiativen in Boliviens Wäldern.


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