Die Frankfurter Rundschau (FR) brachte heute Brisantes im wahrsten Sinne des Wortes „zu Tage“:
Nach Informationen der FR wurde der Ausbau des Salzstocks Gorleben zum Atomendlager von der damaligen Regierung Kohl 1983 sozusagen „im Schnellverfahren“ durchgedrückt. Obwohl Untersuchungen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) die Eignung Gorlebens stark anzweifelten und ausdrücklich zur Untersuchung weiterer Standorte rieten, wurde letztlich Gorleben als einziger zu untersuchender Standort bestimmt.
Die PTB hatte im Jahr 1979 Probebohrungen durchgeführt und die Ergebnisse 1983 in einer ersten Bewertung zusammengefasst. Laut diesem Gutachten muss bereits nach 600 bis 1100 Jahren damit gerechnet werden, dass radioaktive Stoffe in Berührung mit dem Grundwasser geraten können. Die Vorschriften für Endlager schreiben allerdings eine sichere Lagerfähigkeit von 1 Millionen Jahren vor.
Im Mai 1983 diskutierte die PTB die Ergebnisse der Untersuchungen mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und der Deutschen Gesellschaft für den Bau und Betrieb von Endlagern. Bei diesem Gespräch erschienen unerwartet Vertreter der Regierung Kohl und machten deutlich, dass das Gutachten so zu ändern sei, dass es ein positives Licht auf Gorleben wirft. Das Ergebnis sieht man hier:

PTB-Gutachten Vorher und Nachher (Quelle: FR)
Somit wurde Gorleben entgegen besseren Wissens zum alleinigen Endlagerstandort für hochradioaktive Abfälle ernannt!
Dies ist ein Skandal sonder gleichen, der nach Aufklärung der politischen Hintergründe durch einen Untersuchungsausschuss verlangt. Es muss geklärt werden, wer die Drahtzieher dieses „Coups“ waren! Die politische Verantwortung trägt Helmut Kohl. Aber vermutlich hat dieser wieder den involvierten Personen sein Ehrenwort gegeben. Kennt man ja…
[Update]: Auch das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) schaltet sich jetzt in die Debatte ein und fordert eine vergleichende Endlagersuche mit verschiedenen Alternativen.
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Wolfgang
Es ist wirklich unglaublich. Viel schlimmer aber ist, dass diese Meldungen einfach nur an uns vorbeiziehen.
Ist eine solche Einflussnahme auf ein Gutachten nicht strafbar? Wird das jetzt verfolgt werden?
13.9.2009 um 09:10 Uhr ·