Von Minute zu Minute ändert sich die Situation in Kopenhagen. Gerüchte um immer neue Textvarianten machen die Runde – in den verfahrenen Verhandlungen ist es nicht mehr leicht auszumachen, woher ein Hoffnungsschimmer kommen soll. Die wenigen NGO-Kollegen, die noch innerhalb der Verhandlungsarena zugelassen sind, versorgen uns per Handy, Skype oder Mail mit Neuigkeiten. Alle sind inzwischen völlig übermüdet, doch die halsbrecherischen Angebote der Regierungschefs sorgen für hohe Adrenalienspiegel. In dem Ersatz-Greenpeace Büro summen ununterbrochen Handytöne.
Riesen-Enttäuschung gab es heute nach Obamas Rede. Der US-Präsident hat nichts im Gepäck ausser wohlfeiler Rethorik. No Change in der US-Klimapolitik. Der Greenpeace Chef USA, Phil Radford sagt dazu:
Die Welt wartet auf den Geist von “Yes we can”, aber was wir bekommen, ist “My way or the highway”. Obama kann Kopenhagen noch retten, indem er selbst tut, wozu er die anderen Staatschefs auffordert, ein Fundament legt und seine eigenen Anstrengungen zur Reduktion von Treibhausgasen erhöht. Aber so wie es aussieht, ist er nur über den großen Teich geflogen, um der Welt zu sagen, dass er nichts Neues anzubieten hat, mit dem Hinweis: Seid zufrieden oder vergesst es!
Kurz zuvor tauchte in den Medien ein erster Text für das dringend benötigte Abschlussabkommen auf. NGOs hatten es an die Medien durchsickern lassen. Doch der verheisst nichts Gutes:
- Es gibt keine harten Reduktionsvorgaben für Treibhausemissionen.
- Es gibt keine ausreichende Finanzierung für ärmere Länder, damit sie sich gegen Klimaschäden schützen können. Das heisst: Es gibt von den Industrieländern kein Zeichen an die Länder des Südens, dass sie ihnen vertrauen können. Alle handfesten Zahlen und Zahlungen sind wieder aus dem Text verschwunden.
Und was besonders schlimm ist:
- Es fehlt ein rechtlich verbindliches Abkommen.
Wenn das der Endstand wäre, könnten die Politiker hier einfach vom Verhandlungstisch aufstehen und sich die Öl- und Kohleindustrien ins Fäustchen lachen, dass sie es wieder einmal geschafft haben. Sind Merkel, Brown, Sarkozy, Wen und Obama nur hierhergekommen, um für sich Liegestühle auf dem Deck der Titanic zurechtzurücken? In den E-Mails flackert jetzt die Meldung auf, dass Obama, Wen und Lula eine gemeinsame Pressekonferenz machen wollen. Doch das ist nur ein Gerücht. Wir warten, überprüfen Fakten und telefonieren weiter.
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