Nestlé in Erklärungsnot

18. März 2010 · von Benjamin Borgerding

Gestern hat Greenpeace die Öffentlichtkeit im Allgemeinen und Nestlé-Mitarbeiter im Speziellen auf eine Riesensauerei aufmerksam gemacht, an der sich der Konzern beteiligt: Nestlé bezieht große Mengen Palmöl von der Firma Sinar Mas, die für ihre Plantagen großflächig Regenwälder vernichtet. Damit macht sich Nestlé auch mitschuldig an der Ausrottung des Orang-Utans. Teil der Aktion war deshalb ein parallel gelaunchtes Webvideo, ziemlich blutig, aber längst nicht so blutig wie die Realität der Orang-Utans in Indonesien. Zusammenzucken ist durchaus beabsichtigt:


Nestlé hat zunächst relativ kopflos reagiert und bei YouTube Copyright-Einwände geltend gemacht. Das Video auf dem YouTube-Konto von Greenpeace UK wurde daraufhin vorübergehend gesperrt, ist aber mittlerweile wieder online. Nicht besonders clever, diese Maßnahme, und künftig als Lehrbuchbeispiel für den Streisand-Effekt in Social-Media-Schulungen zu empfehlen: Wer Informationen aus dem Internet fischt, generiert nämlich großes Interesse an genau diesen Infos. Das Webvideo ist jedenfalls talk of the town im globalen Dorf. Auf der Greenpeace UK-Seite kann man es sich derzeit auch herunterladen, um es munter weiter zu spreaden. Eine hübsche Übersicht über den Impact der Greenpeace-Kampagne im Netz gibt’s beim PR Blogger.

Heute hat man sich bei Nestlé den vorübergehend verloren gegangenen Kopf wieder auf den Rumpf gedreht.  Und gibt in einer Presseerklärung zu verstehen, das Unternehmen teile – ist ja klar! – die Sorge um den Regenwald, und:

Nestlé Deutschland verwendet nur in einem geringen Volumen Palmöl und Palmkernöl bzw. daraus hergestellte Zwischenprodukte. Das Gesamtvolumen liegt in einer Größenordnung um 7.000 Tonnen pro Jahr, dies entspricht nur etwa 0,03 Prozent der weltweiten Produktion.

Nice try… Geflissentlich übergangen wird dabei jedoch, dass Nestlé seinen Palmöl-Bedarf international in den letzten 3 Jahren auf 320.000 Tonnen verdoppelt hat. Deshalb standen die Greenpeace-Aktivisten auch nicht bloß bei deutschen Nestlé-Büros auf der Matte, sondern auch vor einer Fabrik in Großbritannien und in den Niederlanden.

Greenwashing, ick hör dir trapsen

Nach dieser lauen Rechtfertigung hat Nestlé in der PE dann einen langen Liebesbrief an sich selbst abgefasst und säuselt, man decke den Palmöl-Bedarf seit diesem Jahr mit Green Palm Zertifikaten ab, die den nachhaltigen Anbau unterstützen. “Nachhaltig”, naturellement! Schließlich wird dieses Zertifizierungsssystem des Round Table for Sustainable Oil (RSPO) von einer namhaften Umweltschutzorganisationen unterstützt.

Diplomatie ist natürlich wichtig, aber es gibt Grenzen. Obi-Wan Kenobi hätte sich nicht mit dem Imperator an einen Tisch gesetzt. Nestlé aber setzt sich mit Freuden an einen Tisch mit der dunklen Seite der Macht. Da trifft man sich gemeinsam mit dem Urwaldfresser Sinar Mas zum „Round Table“. Die Meetings stehen ganz unter dem Motto „Have a break!“, effektiver Urwaldschutz wird hier jedenfalls nicht betrieben: Die Kriterien des RSPO sind viel zu lax. Sie enthalten keinen Schutz der Torfböden und keine Anforderungen zur Einsparung von Treibhausgasen. Während Nestlé und Sinar Mas ordentlich KitKat naschen, kreist die Motorsäge und steigt der Rauch aus verbrannten Wäldern.

Zudem will Nestlé die direkten Verträge mit Sinar Mas kündigen. Diese Maßnahme betrifft jedoch nur Verträge von Nestlé Indonesien und lässt die breite Palette an Verträgen mit Zwischenhändlern unberührt, die weiterhin Palmöl von Sinar Mas beziehen, in Deutschland zum Beispiel mit Cargill. Alles bliebe (fast) wie gehabt.

Wir wünschen uns von Nestlé eine Presseerklärung, die mit der Überschrift beginnt: „Nestlé kündigt Moratorium auf Urwald-Palmöl an!“ Oder wie wäre es mit der klaren Botschaft: „Nestlé wird Orang Utan-Bedrohung nicht länger tolerieren!“ Nestlé muss das Schlagwort Corporate Responsibilty ernst nehmen, die Verträge mit Sinar Mars samt und sonders kündigen und sich bei der indonesischen Regierung für ein Ende der Zerstörung einsetzen.

Ihr könnt uns mit dieser Forderung hier unterstützen!

Kommentare

  • robert

    bezüglich des Palmöls habe ich vor ein paar Tagen die schwedische Firma Gille, die auch bei Ikea verkauft wird (u.a. die Hafertaler), angeschrieben und sie um eine Erklärung gebeten, ob die Herstellung ihrer Kekse nicht auch ohne Palmöl möglich wäre. Bisher kam keine Antwort…

    18.3.2010 um 17:39 Uhr · Antworten

  • leines

    ‘SOCIAL-MEDIA-Schulungen’ – ‘TALK OF THE TOWN im globalen Dorf’ – ‘um es munter weiter zu SPREADEN’ – ‘Übersicht über den IMPACT’ – …

    Muss man es denn so weit heraushängen lassen, dass man lange Jahre im Ausland oder in Soziologie-Seminaren oder in beiden verbracht hat?

    18.3.2010 um 20:21 Uhr · Antworten

    • Benjamin Borgerding

      Anglizismen sind nicht gleich soziologische Fachausdrücke. Außerdem habe ich “Das Viral ist jedenfalls der talk of the town im global village” noch rechtzeitig redigiert ;)

      18.3.2010 um 22:34 Uhr · Antworten

      • helena19

        Darf man fragen woher greenpeace seine daten und fakten bekommt (Schriftstücke, Dokumente etc.)? oder muss ich mich “nur” auf videoaufzeichnungen und augenzeugenberichte verlassen?!

        07.8.2011 um 01:46 Uhr

    • Alex

      Genau! Anglizismen sind Bullshit ;)
      Sehr schöner Artikel, und KitKat wird definitiv vom Einkaufszettel verbannt!
      Viele Grüße,
      Alex

      23.3.2010 um 10:57 Uhr · Antworten

  • turkmenbaschi

    >Anglizismen sind nicht gleich soziologische Fachausdrücke

    In der Tat.

    Kleine Formulierungshilfe für die, die Probleme haben, sich in deutscher Sprache auszudrücken:
    gelauncht -> veröffentlicht
    talk of the town im globalen Dorf -> Stadtgespräch im globalen Dorf
    spreaden -> verbreiten
    Impact -> Wirkung
    Nice try -> Netter Versuch
    Meetings -> Treffen
    Corporate Responsibility -> Unternehmensverantwortung

    Gerade das Beispiel “spreaden” ist so mega-unnötig, dass man die Fremdwortschwemme nur dadurch erklären kann, dass es dem Autor hier um Show-off der Englisch-Skills geht.

    19.3.2010 um 05:56 Uhr · Antworten

    • Tobi

      Ihr habt Recht. Ich finde diese ganzen englischen Fremdwörter und Anglizismen auch “mega-unnötig” und lächerlich.

      Angesichts des Bockmists, den Nestlé da baut, kann ich mich darüber allerdings grade “nicht wirklich” aufregen…

      19.3.2010 um 13:41 Uhr · Antworten

  • Eäa

    Fällt euch bei dem Thema nichts anderes ein als die Linguistik zu zerpflücken, wenn ihr motzen wollt geht auf die Nestlé-Seite oder kommt ihr vielleicht von dort?

    19.3.2010 um 10:09 Uhr · Antworten

    • Anna Schmidt

      Was bist du denn für ein Intolerater. Kein Kapital, dich vernünftig mit Fakten und Argumenten auszutauschen? Und von Demokratie und Meinungsfreiheit scheinst du ja wohl auch noch nichts gehört zu haben.

      15.4.2010 um 19:08 Uhr · Antworten

  • Martin

    Meines Erachtens nach war das bisher recht konstruktive Kritik am Schreibstil des Artikelerstellers. Und auch gutgemeint.

    Leider verliert dieser Artikel nämlich durch die, definitv nicht nötigen, Anglizismn einiges an Glaubwürdigkeit. Der Schreibstil wirkt einfach nicht erwachsen. Mir drängt sich da der Verdacht auf, ich habe es mit einem spätpubertärem Kinderzimmerrevoluzzer zu tun der noch nicht wirklich viel erlebt hat und zum ersten Mal in seinem Leben nun etwas entdeckt hat in das er jetzt seine gesamte Energie investiert und sich dabei sehr “che guevarisch” und intelektuell vorkommt. Und dafür benötigt man ja nun auch einen coolen, internationalen Schreibstil.

    Damit tue ich dem Autor wahrscheinlich unrecht, aber nach Gesprächen hier in meiner Firma merke ich, ich bin mit dieser Einschätzung nicht alleine.

    Ich denke an diesem Öffentlichkeitsauftritt von Greenpace könnte man (generell wohl auch aber das ist ein eigenes Thema) noch einiges verbessern, der Sache würde es bestimmt nicht schaden.

    19.3.2010 um 10:58 Uhr · Antworten

  • Eäa

    Das ist gut möglich, trotzdem sollte man meiner Meinung nach eine solche Diskussion nicht auf den Schreibstil des Autors reduzieren. Da ja primär aufgeklärt und nicht die Deutschkenntnisse des Lesers verbessert werden soll. Auch mir ist die Verwendung einiger unnötiger Anglizismen aufgefallen, aber das ist ja nicht der Grund warum ich den Artikel gelesen habe.

    19.3.2010 um 12:16 Uhr · Antworten

  • Julia Eva

    Die Palmöl-Problematik ist vermutlich der Auslöser einer der größten Umweltprobleme oder gar -katastrophen der nächsten Jahrzehnte – Stichwort Torfmoorwälder, die dafür abgeholzt werden, uvm.!

    Macht Euch bitte bewußt, wo überall Palmöl drin ist: in fast allen Kosmetika, zT auch Naturkosmetik (Ausnahmen zB Kingfisher! und soweit ich weiß auch LUSH!), in fast jedem Lebensmittel, jeder Margarine (wenn sie nicht grade reines Sonnenblumenöl enthält) – und laut BOS (Borneo Orangutan Survival Foundation, s. Website!) ist auch die Round Table Geschichte mehr angeblich als wirklich nachhaltig.

    Bewußter Tierschutz heißt daher auch, lesen, was in unserem Essen, unserer Kosmetik drin ist. Palmöl heißt in den Inhaltslisten zB SODIUM LAURYL SULFATE – schwer zu erkennen, nicht?
    Auch Sodium Lauryl Sulfoacetate, identisch mit Natriumlaurylsofoacetat, besteht aus Kokos-und PALMÖL.

    Ich kopiere aus einem WWF-Artikel:

    Allgegenwärtig, doch unsichtbar: Palmöl

    Palmöl kann sehr vielseitig verwendet werden. Deshalb taucht es auch in einer Vielzahl von Produkten auf.

    Lebensmittel:
    Von Backwaren über Fertiggerichte und Saucen bis zum Schokoriegel – alles, was pflanzliches Öl oder Fett enthält, kann auch Palmöl enthalten. Auch zum Frittieren wird es verwendet. Spitzenreiter – wenn es um die in Deutschland verwendete Gesamtmenge an Palmöl geht – ist die Margarine.

    Kosmetika und Körperpflege
    Ob es sich um pflanzliche Seifen handelt, um Lippenstifte oder um Cremes – Eine Vielzahl dieser Produkte enthalten Palmöl beziehungsweise daraus hergestellte Substanzen. Nicht umsonst hieß die erste WWF-Palmölstudie 1998 in der englischen Fassung: “Lippenstiftspuren im Regenwald”

    Wasch- und Putzmittel
    Aus Palmöl produzierte Tenside sorgen in Wasch- und Putzmitteln für Sauberkeit. Die Firma Henkel in Düsseldorf heimste zum Beispiel Anfang der neunziger Jahre viel Lob dafür ein, chemische Substanzen durch nachwachsende Rohstoffe zu ersetzen. Allerdings war damals noch nicht bekannt, welchen Preis die Regenwälder oft dafür zahlen müssen. (meine Ergänzung: das betrifft grade auch die neue BIO-Serie Terra Aktiv, die mit Palmöl hergestellt wird!)

    Deklaration
    Wer liest schon eine Produkte-Deklaration? Aber selbst wer sie liest, wird meist nicht klüger. Denn ob Palmöl in den Produkten enthalten ist, bleibt meist ein Rätsel. Als einer von vielen Stoffen wird das Palmöl in Lebensmitteln oft als “pflanzliches” Öl oder Fett aufgeführt. In Kosmetika oder Waschmitteln ist es noch schwieriger, Palmöl zu erkennen, weil es chemisch in eine Vielzahl verschiedener Substanzen umgewandelt wurde – zum Beispiel in waschaktive Stoffe. Doch Nachfragen hilft. Alle Kosmetika oder Waschmittel sind grundsätzlich Palmöl verdächtig.

    Für Infos, welche Firmen in welcher Weise Palmöl benutzen, am besten Rettet den Regenwald anschauen! oder WWF, oder BOS, oder Greenpeace … niemand soll sagen können, er/sie habe es nicht gewußt!

    19.3.2010 um 14:50 Uhr · Antworten

    • Jörn Hendrik

      Guter Punkt Julia Eva, das Palmöl, auch das “grün” zertifizierte ist überall drin und wird hierzulande sogar als “erneuerbare Energie” in Heizöfen zur Energiegewinnugn verbrannt. Die Schweinerei ist das deutsche Kredite unter der Regierung Schröders die indonesische Regierung stützten und somit das Palmöl sogar das hiesige Rapsöl als Rohstoff verdrängt. Es ist einfach billiger das so geförderte Palmöl zu verheizen als das eigene Rapsöl das vor der Türe wächst. Pervers! –> http://www.tagesschau.de/inland/meldung50662.html

      Ich finde die Kampagne mit dem Video richtig, auch wenn diese wirklich schockierend ist. Aber noch schockierender ist der Ausspruch des indonesischen Premiers Susili Bambang die Abholzung hätte Vorrang vor irgendwelchen Affen.

      Alles ziemlich hefitig!
      Laßt uns darüber bloggen, Twittern und es unseren Freunden und Familien erzählen. Es gibt Alternativen –> Butter statt Magarine, auf die Inhaltstoffe bei Kosmetik achten, Produkte von Nestlé boykottieren…

      19.3.2010 um 17:10 Uhr · Antworten

  • Jey

    Sehr schön geschrieben!
    Ich habe gerade erst erfahren, dass Nestlé so etwas unterstützt. Und in Ihrem Text ist das sehr verständlich beschrieben und jetzt bin auch ich top informiert. ; )
    Danke dafür!
    Liebe Grüße, Jey

    20.3.2010 um 21:08 Uhr · Antworten

  • Valmir Dzeladini

    Wie gesagt, ihr gehört alle hinter Gitter…. Ich hasse greenpeace…seit nichts anderes als verrückte verbrecher….
    Man sollte euch verbieten und es wäre ruhe hier, auf dieser Erde…. ist wirklich unmöglich wie ihr das Kritisiert was ihr macht…

    Mit NICHT freundlichen Grüßen….

    21.3.2010 um 19:57 Uhr · Antworten

  • Wolkencloud

    Wichtig ist es auf erstmal das ganze möglichst schnell Publik zu machen.
    Also etwa einen Blog-Eintrag dazu zu schreiben, etc.

    Das passiert gerade schon und es werden immer mehr. Ob es ausreichen wird?

    Um die Problematik zu beheben sicher nicht, aber auch kleine schritte helfen meist mehr, auch wenn es hier fast nichts mehr zu helfen gibt.

    26.3.2010 um 10:27 Uhr · Antworten

  • Ad Pauli

    Bevor jeder die Botschaft 1:1 blogt sollte er gewissenhaft recherchieren.
    Das Anliegen von Greenpeace verstehe ich, unterstütze ich auch. Nur unterschlägt ihr aufgrund populisitischer Hintergedanken einige Fakten, wie z.B. dass 320’000 Tonnen Palmöl weniger als 2% des weltweiten Verbrauches ausmachen. Zum Wohle von David, sowie Goliath solltet ihr wirtschaftlich wie auch ökologisch denken und Lösungen erarbeiten, welche für Nestle wie auch Greenpeace zufriedenstellend sind – wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus (Funktioniert auch ohne Wald).

    Ich war bisher selbst bei Greenpeace als zahlendes Mitglied dabei, bezweifle aber bei der jetzigen Aktion ob es etwas bringt?!

    26.3.2010 um 15:40 Uhr · Antworten

    • Jan Haase

      Hallo Ad Pauli,

      lässt sich Verantwortung in Prozentzahlen messen? Ich denke nein. Nestlé ist nicht der größte Einzelabnehmer von Palmöl, aber einer der größten. Und warum sieht sich ausgerechnet Nestlé jetzt mit den Protesten konfrontiert und nicht die anderen Abnehmer? Weil die anderen Unternehmen, wie Unilever und Kraft sich in der Vergangenheit auf Basis der ihnen vorliegenden Fakten bewegt haben und ihre Handelsbeziehungen zu Sinar Mas abgebrochen haben. Nestlé als größter Lebensmittelkonzern weltweit kannte diese Fakten auch – Greenpeace ist seit Jahren mit Nestlé im Gespräch. Doch gehandelt hat der Konzern erst, als es Druck von Verbraucherseite gab (das zum Thema “Wie man in den Wald hineinruft…).
      Konzerne wie Unilever und Kraft haben bei ihren Schritten mit Sicherheit ökologisch und ökonomisch gedacht. Wir unterstützen diesen Wandel. Aber gerade weil die kleineren den ersten Schritt gemacht haben erwarten wir vom Branchengrößten mehr als nur ein Anpassen auf einen Mindeststandard. Denn wenn sich alle nur an den Mindeststandard halten, dann sind die Tage für die letzten Regenwälder Indonesiens gezählt.

      Deshalb brauchen wir einen gesetzlich verankerten Schutz dieser noch unberührten Wälder. Und auf den bestehenden landwirtschaftlichen Flächen müssen Lösungen gefunden werden, wie die Erträge des Palmölanbaus verbessert werden können, natürlich unter Berücksichtigung des Anbaus von Lebensmitteln. Aber die Hektarerträge für Palmöl in Indonesien sind sehr gering und können z.B. mit besserem Plantagenmanagement erhöht werden. Hier liegt ein großes Potential für wirtschaftliche, soziale und ökologische Lösungen, wo die Palmölproduzenten Maßnahmen ergreifen könnten. Dazu hat sich Greenpeace Indonesien auch gestern in einem offenen Brief geäußert. Dazu wird es morgen auch einen Blogeintrag geben.

      Ich hoffe, dass du unsere Arbeit auch weiterhin mit kritischer Sicht, deinem Engagement und – wenn möglich – auch finanziell unterstützt. Denn gerade unsere Palmölarbeit zeigt: Man muss einen langen Atem haben, um etwas zu erreichen. Und wenn Nestlé es wirklich ernst meint, dann haben wir mit Unilever und Kraft schon deutlich mehr als die zwei Prozent des weltweiten Verbrauchs verändert. Und die Kleinen werden dann den großen Folgen.

      26.3.2010 um 20:14 Uhr · Antworten

    • Anna Schmidt

      Endlich mal ein sinnvoller Kommentar – danke! Man muss es mal auf den Punkt bringen. Da soll mir doch mal einer sagen, Greenpeace sein nicht geil nach Aufmerksamkeit. Egal wie. Auch wenn die Fakten nicht stimmen – mit dem populären Namen kann man ja was machen. Herzlichen Glückwunsch.
      Authentische und überzeugende Arbeit stelle ich mir anders vor!

      15.4.2010 um 19:03 Uhr · Antworten

  • Joachim Röder

    Ich war lange Fördermietglied von Grenpeace, aber ich habe meine Mitgliedschaft aufgrund der unsauberen Methoden von Greenpeace beendet

    12.4.2010 um 20:28 Uhr · Antworten

  • Bernd

    Also ich finde es interessant, wie hier die Wogen auch gegen Greenpeace hochgehen.
    Auch wenn ich einige der Kommentare verstehen kann, fördere ich weiterhin Greenpeace und finde die Aktionen von Greenpeace größtenteils gut.
    Wie auch hier im Falle des Palmölanbaus. Auch wenn ich da nicht glaube, dass nun da wirklich jemals eine Meldung wie oben gewünscht „Nestlé wird Orang Utan-Bedrohung nicht länger tolerieren“ auftauchen wird, hoffe ich doch, dass durch derartige Aktionen in Zukunft wenigstens versucht wird auch den Palmölanbau „schonender“ zu gestalten.
    Lebensräume von Tieren werden bei jeder Ausweitung für industriellen Produktion von Naturstoffen vernichtet werden – aber es sollte wenigstens dafür gesorgt werden, dass jeder landwirtschaftliche Anbau nicht ausschließlich über wirtschaftliche Optimierungsüberlegungen der Großkonzerne durchgeführt wird.
    Und man kann Greenpeace natürlich oft übertriebene Darstellungen vorwerfen – aber anscheinend geht es nicht anders.
    Ich glaube nicht dass der Walfang ohne den Einsatz von Greenpeace so weit reduziert werden hätte können. Da steckt viel Einsatz und vor allem öffentlich wirksame Arbeit dahinter.
    Also geht es auch im Falle Nestle kaum damit, dass man die Firma anschreibt und „freundlich bittet“ beim Palmölanbau die Labensräume der Orang-Utangs zu berücksichtigen.
    Und wie ich in diesem Fall die Reaktionen von Nestle bisher beurteilen kann, ist es Nestle sehr wohl bewusst was sie da machen und welch schlechtes Bild diese Firmenpolitik abgibt und es wird daher versucht jede Weiterverbreitung der Nachrichten irgendwie zu verhindern.
    Auch wenn hier Nestle nur für 2% der weltweiten Palmölproduktion „verantwortlich“ ist kann man ja wohl kaum erst mal alle Palmölproduzenten heraussuchen und diese dann alle einzeln beurteilen.
    Palmöl ist ein notweniges Produkt – ich glaube gar nicht dass es notwendig wäre darauf zu verzichten aber JEDES Naturprodukt kann umweltschonend an- oder abgebaut werden. Und dafür dass dies nicht geschieht sorgt halt noch immer eine ökonomische Einstellung fast aller Konzerne die als Hauptprämisse nur das einsparen jedes möglichen Cents im Auge hat.
    Und da ist Nestle durchaus auch ein sehr gutes Baispiel dafür wie eben für Profit alles andere vergessen wird.

    13.4.2010 um 18:06 Uhr · Antworten

  • Joachim Röder

    Ich habe meine langjährige Fördermitgliedschaft bei Greenpeace Deutschland Förderer-Nr.: 52524xxxxx [Anmerkung: Förderernummer aus Datenschutzgründen von der Blog-Redaktion unkenntlich gemacht] gekündigt. Greenpeace recherchiert unseriös.

    13.4.2010 um 20:15 Uhr · Antworten

    • Tobi

      Lieber Joachim,
      Du hast das jetzt schon zweimal geschrieben, ohne deinen Vorwurf näher zu erläutern. Da ich auch Fördermitglied bin, würde mich der Hintergrund interessieren!

      Gruß,
      Tobi

      13.4.2010 um 20:45 Uhr · Antworten

  • Ankilotta

    Ja, Ihr habt ja soooo recht – Nestlé ist eine wirklich schreckliche Unternehmung. Sie produziert Lebensmittel für eine Masse an Menschen auf der ganzen Welt und ist ein wiederlicher Arbeitgeber für tausende von Menschen!

    Merkt Ihr überhaupt, was Ihr tut? Nestlé ist ein verantwortungsvolles Unternehmen, dass seine Verantwortung gegenüber dem Verbraucher als oberste Priorität sieht. Die Mitarbeiter werden fantastisch behandelt und sind bestens abgesichert. Ich kann nicht fassen, dass aufgrund unbewiesener Anschuldigungen einer Organisation wie Greenpeace diese Arbeitsplätze gefährdet werden; denn nichts anderes tut Ihr. Macht ruhig einen der strategischen Eckpfeiler eines Hauses zunichte. Jeder Arbeitsplatz der verloren geht, geht auf Euer Konto…

    15.4.2010 um 08:43 Uhr · Antworten

    • Jan Haase

      Hallo Ankilotta,
      wo liest du denn, dass wir Nestlé für einen schlechten Arbeitgeber halten? Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Arbeitsplätze bei Nestlé verloren gehen, wenn die Produktion nachhaltige Produkte verwendet, wie die Konkurrenz (z.B. Kraft und Unilever) angekündigt haben. Vielmehr gehen mittel- und langfristig bei euch die Arbeitsplätze verloren, wenn nur die anderen Unternehmen weitsichtige Entscheidungen treffen und Nestlé den Trend verpennt.

      15.4.2010 um 10:39 Uhr · Antworten

    • Tobi

      Hallo Ankilotta,
      soweit ich das richtig verstanden habe, ist Greenpeace keine Gewerkschaft. Folglich kritisieren sie auch nicht die Arbeitsbedingungen bei Euch, sondern den von eurem Verein verursachten Raubbau am indonesischen Regenwald.
      Und “Arbeitsplätze” als Totschlagargument muss als Rechtfertigung für alles herhalten? Ich wüsste jetzt nicht, wo das in irgendeinem Zusammenhang stünde.
      Wenn ihr dann mal einen Tag lang keine so gute Aussicht aus eurem Frankfurter Büro habt, weil ein Plakat davorhängt, finde ich das verschmerzbar.

      Und unbewiesen sind die Vorwürfe auch nicht – sie werden ja von Nestlé nichtmal bestritten.

      Schönen Gruß,
      Tobi

      15.4.2010 um 11:58 Uhr · Antworten

  • Florian Pithan

    Hier geht es nicht um Arbeitsplätze reicher Europäer – hier geht es um existentielle Zukunftsfragen. Nestlés Einkaufspolitik ist rein Profitorientiert und eine Katastrophe für die Gesellschaft. Deshalb steht Nestle nun völlig zu Recht am Pranger.

    15.4.2010 um 11:00 Uhr · Antworten

  • Andre

    Hallo zusammen,

    grundsätzlich finde ich es richtig das wir darauf aufmerksam machen. Ich frage mich aber warum Nestlé – nach meinen Recherchen ist der größte abnehmer von Palmöl die Kosmetikindustrie – gaaaanz zum Schluss erst Süsswaren und dann sogar noch andere Giganten wie Masterfoods.

    Ich denke das man mit einer breiteren Kampagne auf die wirklich großen Pötte auch wirklich was bewegen kann – ich empfinde es als Medienschlacht – daher Nestlé – wegen dessen Größe nicht wegen dessen Palmöl Verbrauchs (sonst hätte es andere getroffen) Bin gespannt auf eure Meinungen

    Andy

    15.4.2010 um 17:03 Uhr · Antworten

    • Jan Haase

      Hallo Andre, du hast es genau getroffen. Man muss die großen Pötte angehen. Wir haben in den letzten Jahren mit den größten Lebensmittelkonzernen Nestlé, Kraft und Unilever über das Thema gesprochen. Zwei haben sich bewegt – einer nicht. Und das war mit Nestlé dann auch noch der größte der Lebensmittelkonzerne. Die öffentliche Auseinandersetzung hätte auch ein anderes Unternehmen treffen können, wenn sich Nestlé frühzeitig den anderen angeschlossen hätte. Wenn du aber erst einmal an dem Punkt bist, dass du in eine öffentliche Auseinandersetzung gehst, dann musst du auch stellvertretend ein Unternehmen ansprechen, und nicht eine ganze Branche. Sonst bewegt sich nämlich gar keiner, weil jeder sagt: Soll doch erst einmal der andere. Wenn sich jetzt Nestlé zum großen Schritt entscheiden könnte, dann würden die anderen in Zugzwang geraten. Ohne dieses Vorgehen hätten wir länger verbleites Benzin gehabt und viel später FKCK-freie Kühlschränke, Dieselrußfilter, sparsamere Autos und Schiffe ohne TBT-Anstrich. Da ging es damals Beispielsweise gegen die Queen Mary II, ein wirklich ganz großer Pott, obwohl ganz viele Schiffe diesen Anstrich hatten.

      15.4.2010 um 17:20 Uhr · Antworten

  • Snickers

    Vielen Dank,herzlichen Dank…ihr seid so super,wird sich der Vorstand,sowie Marketing und alle anderen Abteilungen von MARS int. und KRAFT FOODS sagen,jetzt hat unser Mitbewerber Nestle schön einen vor den Bug bekommen!!
    Was habt ihr nun wirklich erreicht? Gar nichts,d.h. doch,der indonesische Waldarbeiter hat zukünftig keinen Job mehr,dementsprechend seine Familie nichts mehr zu beißen,der Wald muß trotzdem gerodet werden,weil der Waldarbeiter nun wieder Land für Ackerbau benötigt usw……
    Ihr habt prinzipiell Recht,wenn ihr euch um bedrohte Tierarten sorgt und kümmert,aber leider hat so etwas immer zwei Seiten.Was ein “paar” Tierleben vielleicht rettet,stürzt viele Menschenleben vor Ort in noch größere Not!!!
    Streng genommen ist es nicht Nestle,Unilever,Mars oder Kraft,die den Orang Utan bedrohen,sondern wir alle,die wir dem Konsumwahn verfallen sind… so lange wir an dieser Schraube nicht drehen,wir als Individuen im goldenen Westen auf nichts verzichten wollen,solange werden Regenwälder bedroht sein,das Ozonloch noch größer werden,die Pole noch mehr schmilzen,und letztlich bedrohte Tierarten, aber auch Menschen in der dritten Welt noch mehr leiden!!Es ist keine Lösung,Firmenzentralen zu besetzen,Arbeitsplätze zu gefährden,lautes Zenober zu veranstalten und dann,wen wunderts,sich ins Auto setzen,die Luft verpesten,heim fahren und sich neue “Terrorakte” gegen Unternehmen zu überlegen,die hunderttausenden von Menschen weltweit einen Job geben,die sich sozial engagieren,die als eine der ersten auf Haiti waren,und die armen Teufel dort mit sauberem Trinkwasser versorgt haben usw.usw….. aber solche Meldungen interessieren euch von Greenpeace anscheinend weniger,solange ihr eure marketing-strategische Publicity habt – was für eine heuchlerische Doppelmoral!!

    17.4.2010 um 04:29 Uhr · Antworten

    • Anna Schmidt

      Hallo Snickers,

      super! Da hat jemand die wirklichen Zusammenhänge verstanden.
      Schade, dass es so wenige sind – aber vielleicht werden es ja noch mehr. Damit könnte man etwas anfangen.

      17.4.2010 um 14:05 Uhr · Antworten

  • Florian Pithan

    Oh, da wohl jemand Angst um SEINEN Arbeitsplatz.
    Wie Du ja sicher den vielen Beiträgen hier im Blog entnommen hast, arbeitet Greenpeace vor Ort in Indonesien mit der Bevölkerung zusammen.
    Magst Du Deine “Vermutungen” irgendwie wissenschaftlich belegen?
    Nestle hat kein spezielles Anrecht auf Proporz – und steht in Bezug auf Palmöl wesentlich schlechter dar als beispielsweise Unilever. Nestle hat offensichtlich einen noch höheren Heuschreckenfaktor. Das Aufkaufen billigen Palmöls von Sinar Maas (auch über Zwischenhändlern) ist moralisch verwerflich – Gründe haben wir genug genannt – und dient allein der Profitmaximierung.

    Nun, Nestle mag auf Haiti gewesen sein – sie waren auch eine der ersten Firmen, die damals mit Milchpulver in Afrika waren. Welche selbstlose, heldenhafte Tat! Sicherlich war auch der Umfang der Aktivitäten so gewaltig, dass sich der Gedanke an eine PR-Aktion von vornerein verbietet, oder wurde das doch nur aus der Portokasse bezahlt? Von wessen Marketingstrategie reden wir hier eigentlich?

    Es ist leider manchmal die einzige Lösung, “Firmenzentralen zu besetzen”.

    17.4.2010 um 07:25 Uhr · Antworten

    • Palmito

      Hallo,

      es ist doch egal welchen Konzern Ihr nehmt, bis vor einigen Jahren wurde nun mal für alle Palmölplantagen Urwald abgeholzt, das Öl geht nun vielleicht zertifiziert über einen rückwirkenden Ablasshandel ( greenpalm) für konventionelles Öl oder etwas strenger (RSPO) als Mischung /oder echt nachhaltiges Öl an die großen Lebensmittelkonzerne.
      Echtes nachhaltiges Öl gibt es doch bisher in irrelevanten Mengen.
      Lest doch mal die RSPO und Greenpalm Internetseiten und macht Euch ein Bild über das System und die Mitglieder.
      Die wirklichen Palmölmengen gehen in Biodiesel und Kosmetik. Das ist ein komplexeres Problem als nur das der Lebensmittelindustrie.
      Aber besser ein Anfang als gar nichts tun. Die Große Frage ist nur ob die entstehenden Kosten vauch om Handel mit gezahlt werden, der Handel fordert aber zahlt nur ungerne mehr , da wir die Verbraucher ja den kleinen Preisen nachlaufen.
      Letztendlich bleiben auch hier irgendwann kleine Unternehmen auf der Strecke, oder kaufen eben gar kein Palmöl mehr, ob aus okologischen oder ökonomischen Gründen, womit dieses Öl dann halt auch im Traktor oder in der Creme landet.

      08.7.2010 um 19:38 Uhr · Antworten

  • Anna Schmidt

    Hallo Pithan,

    vorschnelle Schlüsse sollte man vermeiden. Ich arbeite für keinen Konzern.

    Ich möchte aber nicht mehr auf diesem Niveau diskutieren. Ich habe an anderer Stelle schon dargestellt, wie ich diese Diskussion find.

    17.4.2010 um 13:55 Uhr · Antworten

  • Jens

    Puh, eine Schande ist das mit dem Palmöl!!!
    Nicht einmal im Reformhaus ist man davor gefeit, man denke dort an die Firma “GRANOVITA” mit ihrem “Bärlauchschmaus”. Werde Granovita mal diesbezüglich anschreiben, habe früher sehr gerne “Bärlauchschmaus” aus dem Reformhaus gekauft, bevor ich von der Palmöl-Problematik erfuhr.

    21.7.2011 um 17:00 Uhr · Antworten

  • Isa

    http://de.m.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Nestl%C3%A9-Marken
    Hallo Zusammen,
    Ich bin der Meinung, dass niemand hier andere Firmen negiert,die auch nicht umweltbewusst und nachhaltig handeln. Aber dies ist ein Thread über einen Aspekt,der aufgedeckt wurde und über den es zu diskutieren bedarf. Ich frage mich, wieso hier der Tenor so anklingt als sei Nestlé der Schokoladenhersteller…wie oben in meinem Link zu sehen ist das schon lange nicht mehr so. Nestlé ist weltweit der größte Nahrungsmittelhersteller und auch L’orèal gehört zu 30% zu Nestlé.
    Jeder Textilkonzern,der in Indien und Co produziert wird an den Pranger gestellt.warum sollen also nicht auch in der Nahrungsmittelindustrie Verbesserungsmaßnahmen gefordert werden dürfen. Bloß weil man Natur erhalten will,die elementar für menschliches Leben ist,gefährdet man doch nicht automatisch Arbeitsplätze. Und diese temporären Verhältnisse über Nachhaltigkeit zu stellen,sollte doch wahrlich zu denken geben. Das ist unglaublich naiv und egoistisch der nächsten Generation gegenüber und hat nichts mit ‘zusammenhänge verstehen’ zu tun….

    09.11.2013 um 20:06 Uhr · Antworten

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