Indonesien räumt mit Palmöl-Mafia auf

26. April 2010 · von Corinna Hölzel

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen: Die “Vereinigung der indonesischen Palmölhersteller” (GAPKI) unterstellte kürzlich Greenpeace von Europäischen Fördergeldern zu profitieren und im Jahr 2008 knapp 1,1 Millionen Euro von der EU kassiert zu haben. Kleinlaut musste sich Joko Supriyono, Generalsekretär von GAPKI, bei Greenpeace entschuldigen, einen Bericht des International Policy Networks falsch gedeutet zu haben. Ein Missverständnis also? Das wäre verwunderlich, denn ein kurzer Blick auf die Schaubilder des Berichts verrät auch ohne Textkenntnis: Greenpeace wird dort im Gegenteil als die Ausname-Organisation geführt, die sich nicht von EU-Geldern abhängig macht. Das ist, nebenbei gesagt, auch wenig überraschend. Greenpeace akzeptiert generell kein Geld von der Industrie, Parteien oder staatlichen Stellen. Um unabhängig zu sein und zu bleiben, leben wir von privaten Spenden.

Urwaldkiller Sinar Mas ist für zahlreiche gesetzeswidrige Waldrodungen verantwortlich © Edy Purnomo/Greenpeace

Waldrodungen

Da sollte sich die indonesische Palmöllobby mal lieber selbst an der – immer länger werdenden – Nase packen. Derzeit laufen dort nämlich große Razzien, um Korruption bei illegalen Waldabholzungen aufzudecken. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono (SBY) äußerte sich mehrfach sehr klar über ein „mafiaähnliches Vorgehen bei der illegalen Waldabrodung“. In den letzten Jahren endeten von 92 Anklagen wegen illegaler Waldabholzung 49 mit einem Freispruch. Diese werden nun auf Anordnung des Präsidenten SBY erneut aufgerollt und überprüft. Auch Greenpeace legte kürzlich erst neue Satellitenfotos vor und beweist damit, dass der Palmölgigant Sinar Mas entgegen seiner Zusagen weiter besonders schützenswerte Waldgebiete rodet. Der Konzern traf kürzlich übrigens Unilever und versuchte den kritischen Palmölabnehmer wieder ins Boot zu holen – was Unilever wohl von den neuen Sinar-Mas-Lügen hält?

Die Palmöllobby wird seitdem ihrem schlechten Ruf weiter gerecht und zieht alle Register. Seit Mitte April spannt GAPKI die Non-Profit-Organisation „World Growth“ für ihre Zwecke ein. Gleichzeitig bereitet man eine Lobbyreise in Europa vor, um für die Belange der indonesischen Palmölindustrie zu werben. GAPKI-Generalsekretär Joko Supriyono – richtig, der mit dem Missverständnis – setzt parallel den „Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl“ (RSPO) unter Druck:

Wir werden das Jahrestreffen [des RSPO] verlassen, wenn neue Nachhaltigkeitsstandards festgesetzt werden, die schwierig oder fast unmöglich zu erfüllen sind.

Ob der GAPKI-Generalsekretär da vielleicht auch wieder die gemeinsame Absichtserklärung mit den malaysischen Palmölherstellern vom 3. März 2010 “missverstanden” hat? Die diente nach eigener Aussage eigentlich dazu, den Palmölproduzenten bei der Nachhaltigkeit ihrer Palmölproduktion zu helfen.

So sehr mich das auf die Palme bringt, so sehr freue ich mich auch über die Schritte der Regierung in die richtige Richtung. Nach Protest von Greenpeace und anderen Nichtregierungsorganiationen hat das indonesische Waldministerium endlich sein umstrittenes Vorhaben, Palmölplantagen als Wald zu klassifizieren, zurückgezogen! Damit ist uns ein neuer Schub an CO2-Ausstoß erst einmal erspart geblieben. Die indonesische Normungsorganisation (National Standardization Agency of Indonesia ) setzt sich aktuell für einen Standard ein, um den Ausstoß von Treibhausgasen aus Regenwaldzerstörung zu messen.

Die Emails meiner indonesischen Kollegen zeigen, dass sich unser Engagement für den indonesischen Regenwald lohnt: Bei aller dreckigen Wäsche, die von Seiten der Palmölproduzenten gerade gewaschen wird – die Palmölfrage und der Schutz des Regenwaldes stehen auf der Tagesordnung der indonesischen Politik ganz weit oben!

Kommentare

  • Andreas Assmann

    Was sind Sie für ein Verein geworden? Früher habe ich wirklich gedacht, Sie würden im Interesse der Umwelt handeln. Heute ist wohl Ihre einstellung Großunternehmen und mittelständische Unternehmen zu ruinieren bzw. an den Pranger zu stellen. Wer von den Greenpeacemitglieder, Funktionären und Mitarbeiter hat nicht schon mal KitKat gegessen. Eine größere Lüge gibt es nicht. Sie sollten sich schämen und sich wieder auf die wesentlich Dinge kümmern, oder soll der Eindruck entstehen, dass sich Greenpeace zu einem Großunternehmen entwickelt hat mit wirtschaftlichem Hintergrund? Meine Frage an Sie….. Wieviel zahlen andere Hersteller damit Sie diese Anti KitKat Kampagne starten? Diese Frage stell ich mir ernsthaft.
    Greenpeace redet von Mafia. Ich würde sagen, das Dummverkaufen und unverschämte Handeln von Greenpeace gegenüber Konzernen und Betrieben ist Mafia genug.Abschließend möchte ich Ihnen sagen, dass mit solchen Äusserungen und rufschädigenden Aktionen nichts erreichen.

    Ich selber bin für Naturschutz, keine Frage, aber nicht SO !!!!
    Überdenken Sie Ihre Strategie!!!!

    Mit freundlichen Grüßen aus HAmburg

    A. Assmann

    27.4.2010 um 08:45 Uhr · Antworten

    • Jan Haase

      Hallo Herr Assmann,

      unser Klima, unsere Meere und Wälder und die Artenvielfalt unseres Planeten werden nicht von einer unbekannten und unsichtbaren Kraft bedroht – in den meisten Fällen ist es eine Art von zerstörerischer Wertschöpfung von Unternehmen, die zur Bedrohung unserer natürlichen Ressourcen führt. Nicht zu selten basiert diese Zerstörung auf Rahmenbedingungen, die von der Politik so (auf Druck der Unternehmen) gesetzt werden.
      Deswegen liegt seit der Gründung von Greenpeace unser Fokus darauf, den direkten Zerstörungsdruck durch Unternehmen zu stoppen und andere Rahmenbedingungen durch die Politik auf den Weg zu bringen. Das hat funktioniert bei der Dünnsäureverklappung in der Nordsee (Unternehmen Kronos), bei der Einführung von TBT-freien Schiffsanstrichen (Cunnard-Reederei), bei dem Versenkungsverbot von Ölplattformen in der Nordsee (Shell) und, und, und…. Keines dieser Unternehmen war allein auf dem jeweiligen Markt, aber oft waren es die ganz Großen, die Veränderungen auf den Weg gebracht haben.
      Unsere Strategie zu ändern, käme einer Kapitulation des Umweltschutzes vor den Interessen der Industrie gleich. Ihre haltlosen und unbelegten Anschuldigungen, die übrigens deutlich gegen unseren Verhaltenskodex verstoßen (http://blog.greenpeace.de/verhaltenskodex/ ), muss ich daher deutlich zurückweisen.

      27.4.2010 um 10:06 Uhr · Antworten

      • Martin Wolter

        @Herr Haase: Durch solche Äußerungen disqualifiziert sich der Schreiber doch selbst als ernstzunehmender Diskussionsteilnehmer und zeigt nur, dass Ihr auf dem richtigen Weg seid!

        27.4.2010 um 12:25 Uhr

    • Felesenbirne

      Ganz offensichtlich hat Herr Assmann sich ja nicht einmal die Mühe gemacht, den von ihm kommentierten Artikel auch nur ansatzweise zu lesen ;) – schließlich ist dort deutlich beschrieben, dass der Verein keine Spenden aus der Industrie, von der EU, Parteien etc. nimmt…

      Greenpeace, macht weiter so!

      27.4.2010 um 16:08 Uhr · Antworten

  • Martin Wolter

    Ja, Angriff war schon immer das beste Mittel, um von eigenen Verfehlungen abzulenken. Wäre mal interessant, für welchen Konzern der gute Herr Assmann arbeitet?
    Im Übrigen ist die Strategie einwandfrei! Wie begründet die Tatsache, dass sicherlich schon jeder mal ein Kitkat gegessen hat, bevor ihm klar wurde, wen er unterstützt, den Vorwurf einer Lüge?
    Wenn schon argumentiert wird, dann bitte auch logisch nachvollziehbar. Reine Unterstellungen sind noch keine Argumentation, noch nicht mal eine These, Herr Assmann!

    27.4.2010 um 12:11 Uhr · Antworten

  • lyn milano

    Lieber andreas assmann,sie sollten sich schämen!!!!!! jeder mensch(Unternehmer) sollte die natur mit respekt behandeln…ich bin erschrocken über solche aussagen/gedanken…..es gibt ein ganz simples naturgesetz,nähmlich säen und ernten ursachen und ihre wirkungen! lesen sie doch mal ein gutes buch darüber und denken sie nochmal nach!….@ greenpeace: weiter so!!!! ich liebe euch!!!

    27.4.2010 um 14:59 Uhr · Antworten

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