Alltag im Firefighting-Camp – Üben für den Ernstfall

26. Juli 2012 · von Gastautor/in

Die 29-jährige Verena Mohaupt aus Bielefeld und der 26-jährige Sven Willner aus Leipzig besuchen für knappe zwei Wochen ein “Firefighting-Camp” in Russland. Sie lassen sich dort für die Bekämpfung von Waldbränden ausbilden und werden gegebenenfalls bei Bränden helfen. In einer Blogreihe erzählen sie von ihren Erfahrungen. Im vierten Teil berichten sie von ihrem Alltag im Camp und erzählen, wie sie Grasbrände bekämpfen können.

Grasbrand-Übung. (c) Daniel Müller/Greenpeace

Der nicht weit vom Camp entfernt liegende See erstreckt sich über die bewaldete Ebene. Überall kann man stehen, die Beine versinken bis zu den Knien im Torfschlamm. Es fühlt sich an wie durch Malzbier zu schwimmen, so rötlich braun erscheinen meine Arme, wenn ich sie dicht unter der Wasseroberfläche entlang ziehe.

Wir sind in einem kleinen Grüppchen baden gegangen und als wir ans Ufer waten, schlagen wir stetig nach den Mücken und Bremsen, die über uns herfallen. Die braunen Schwebeteilchen des Torfes setzen sich an jedes Körperhaar; wir sehen aus wie kleine Affen.

Die Duschen und überhaupt das gesamte Camp werden durch eine Motorpumpe mit Wasser aus dem See versorgt.

Anton gibt Instruktionen. (c) Daniel Müller/Greenpeace

Heute stehen wir an dem kleinen, provisorischen Steg und füllen mit der Motorpumpe unsere Spritzenpumpen und die Wasser-Luft-Gebläse. Unser Trainer schreitet die imaginäre Grasbrandkante ab und zeigt aus welcher Richtung wir uns den Wind vorstellen sollen. Ständig ändert sich der Wind und unser Zweierteam muss reagieren. Zunächst löscht der Träger des Wasser-Luft-Gebläses – eine Art Laubbläser mit Wasserbeimischung – die größeren Flammen. Der Zweite läuft hinterher, auf seinem Rücken trägt er einen wassergefüllten Rucksack und pumpt mit der angeschlossenen Handpumpe Wasser auf die übrig gebliebenen Glutstellen. Anton erklärt, dass auf diese Art Grasbrände sehr schnell und flexibel gelöscht werden können.

Anton, studierter Jurist, hat 2010 als Freiwilliger angefangen Brände um Moskau zu bekämpfen, bevor er zu Greenpeace stieß und seit 2011 als Campaigner für Boreale Wälder arbeitet. Prägend war für ihn ein Austausch mit der waldbrandbekämpfenden Fallschirmtruppe der US-amerikanischen Forstbehörde. Er erzählt auch gerne von seinem Einsatz in der Astrachan-Region zu Beginn dieses Jahres. Inmitten des Wolgadeltas an der Grenze zu Kasachstan nehmen viele Brände ihren Ursprung. Im Frühling wüten beängstigende Feuer durch das übermannshohe Schilfmeer. Im Sommer sind die meisten Grasbrände vorbei und so bleibt unser Training für dieses Jahr wohl ungenutzt.

Grischa hält einen Vortrag. (c) Daniel Müller/Greenpeace

Abends sitzen wir im Gemeinschaftszelt während Grischa einen Vortrag über Brandbekämpfungstaktiken hält. Im Wesentlichen gibt es drei Arten von Bränden, welche die russische Natur bedrohen: Torfbrände, Grasbrände und Waldbrände. Wir lernen Brandschneisen geschickt zu platzieren und dem Feuer systematisch und taktisch klug zu begegnen. Das wichtigste ist jedoch die Behörden zu informieren, da die freiwilligen Firefighter die Feuerwehr weder ersetzen wollen noch können. Problem sind dabei leider die unterschiedlichen Zuständigkeiten der offiziellen Stellen, die aufgeteilt sind auf Siedlungen und Wälder, dazwischen liegende Bereiche bleiben ungeschützt. Außerdem fehlt es den professionellen Brandbekämpfern an Mitteln und oft an Know-How.

Viele Feuer beginnen als gelegte Brände in Grasregionen, entweder aus Tradition in der Landwirtschaft oder als präventive Maßnahme, die oft außer Kontrolle gerät. In den vergangenen Jahren wurde von staatlicher Seite sogar dazu aufgerufen kontrollierte Brände zu legen. Greenpeace Russland fordert ein generelles Verbot derartiger Brandrodung, wie es in manchen Regionen bereits Gesetz ist.

Am allabendlichen Lagerfeuer unter sommerlich dämmerndem Himmel trinken wir den letzten Tee des Tages und versuchen uns trotz sprachlicher Barriere auszutauschen. Erschöpft klettern wir in unser Zelt, in wenigen Stunden wird Antons Ruf wieder durchs Lager hallen: “Dobri Utra! Paidiom!” – “Guten Morgen! Los geht’s!”.

In diesen Videos könnt ihr uns beim Training sehen.

Hier seht ihr,  wie man einen Menschen evakuiert:

Und hier zeigen wir euch, wie man sich aus dem Feuer rettet:

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