A clean ship is a happy ship

14. Mai 2010

Wir sind wieder unterwegs. Die Neva führt zum Ladoga See und weiter geht es durch Schleusen zur Wolga, die in den künstlichen See Rybinsk aufgestaut ist. Hierzu sind wir durch sechs dicht zusammenliegende Schleusen gefahren. In der Nacht gab es keine Schleusen mehr und so konnte ich schlafen gehen. Verfallene Kirchen mit und ohne Zwiebeltürme, Holzhütten, kaputte Autos als Steganlage, Birkenwälder und Fichtenwälder ziehen an uns vorüber. Hinter jeder Insel erwarte ich eigentlich ein paar Indianer.

Uwe at Work © Greenpeace/Wolf Wichmann CC-Lizenz BY-NC-ND

Großputz ist angesagt

Gestern war Putztag. Das ist für die wasserscheuen Landratten wohl unangenehm, aber “a clean ship is a happy ship”. Zunächst muss der Heulbesen vor dem Laderaum gefunden werden, damit er alle Krümel und Wollmäuse aufsaugt und eine Rattenplage verhindert. Die Polster können mit der Polsterbürste bearbeitet werden. Die Niedergänge, auch Treppen genannt, bitte nicht vergessen. Die Reinigungsmittel und Schwämme für die Toiletten befinden sich im jeweiligen Waschraum. Ein Eimer mit heißem Wasser muss dafür reichen, sonst droht Wassermangel an Bord, denn unser Tank ist klein. Zum Schluss wird einmal durchgewischt und ordentlich geschrubbt. Das edle Geschirr in Form von angeschlagenen Tassen und Bratpfannen ohne Griff muss natürlich auch mehrmals am Tag abgewaschen werden, gerade wenn 12 Personen an Bord leben.

Unser Tank für Schmutzwasser, in dem sich alles aus den Toiletten – die übrigens mit See- bzw Flusswasser spülen – und der Küche ansammelt, ist natürlich auch begrenzt. Fäkalientank ist der Fachbegriff und diesen haben wir gestern in Vitegra an Land abgepumpt. Das stinkt natürlich.
Nachdem wir bei der Abfahrt einige Zeit aufgehalten wurden, haben wir jetzt wieder Wolf und Iosif an Bord. Fedor und Yana haben uns wieder verlassen, so dass Igor, Maria, Dina und Natascha aus dem russischen Greenpeace Büro bei uns sind. Dazu kommen noch die zwei russischen Lotsen Valerie und ein zweiter Igor. Uwe, Stefan, Kina und ich haben das Schiff nicht verlassen.

Abfahrt mit Tücken

13. Mai 2010

Unsere Abfahrt hat sich um eine Woche verzögert, sodass mein Kollege Wolf in einem Landteam unterwegs ist, um Proben zu nehmen. Zwischenzeitlich hatten wir den Eindruck, dass unbekannte Kräfte unsere Weiterfahrt verhindern wollen, nachdem wir bereits bei der Einfahrt erstes Packeis überwinden mussten.
In St. Petersburg hatten wir einen Agenten beauftragt, unsere Passage nach Moskau vorzubereiten. Nach unserem Verständnis hätte er wissen müssen, daß die russische Binnenfahrtbehörde eine Inspektion vornehmen muss. Die Funkgeräte in Rußland arbeiten auf einer anderen Frequenz und die Positionslichter sind anders.

Beluga am St. Petersburger Kai © Greenpeace/Wolf Wichmann CC-Lizenz BY-NC-ND

Die Beluga II am Kai

Logisch – jedes Land hat andere Vorschriften. In Deutschlands Binnengewässern müssen wir mit einer blauen Tafel fahren, die den Talfahrer berechtigt, zu bestimmen, an welcher Schiffsseite begegnet wird. Die Diskussion, ob wir einen Heckanker brauchen, war sehr zäh, und am Ende war er sogar überflüssig. An Steuerbord und Backbord sind hier jeweils zwei Blitzlichter zu führen, und ich habe sie an mindestens drei verschiedenen Stellen montiert, bis die Inspektoren zufrieden waren. Es gibt darüber auch Schriftgut, aber das musste erst mühsam übersetzt werden und trotzdem gibt es dann immer noch ganz viel „Spielraum“ in der Interpretation. Auch wenn wir alle Anforderungen sofort umsetzen, führt das natürlich nicht zu einer Beschleunigung auf der anderen Seite.

Am 13. Mai um 23:30 Uhr heißt es endlich: Leinen los!

Die Masten werden gelegt

06. Mai 2010
CrewWork © Greenpeace/Wolf Wichman CC-Lizenz BY-NC-ND

Die Crew bei der Arbeit

Am 05. und 6. Mai haben wir die Masten in St. Petersburg gelegt. Einen Tag lang (ca. 12 Stunden) habe ich mit Uwe, unserem Master and Commander, die Masten “vorbereitet”. Die gute Vorbereitung garantiert das sichere Legen. Zunächst müssen wir die Gaffeln und die Bäume abschlagen (abmachen) und auf die Ladeluke fieren (langsam runterlegen). Diesmal haben wir die Segel an den Gaffeln drangelassen, welche an sich schon so schwer sind, dass wir schon acht Personen brauchen, um sie anzuheben – ein ordentliches Kontrastprogramm zum gestrigen Open Ship. Uwe ist aber ziemlich ausgefuchst, wenn es darum geht, die Fallen (Leinen zum Hochziehen der Segel) und Dirken (Leinen, die mit den Faulenzern verbunden sind!) zum “Rangieren” zu benutzen. Ruhig und besonnen arbeiten wir zusammen und blödeln in unsere Bordsprache (aus Burschi hat sich jetzt der “der Purchi” entwickelt). Wolf und Kina sind wie bereits gestern “abgetaucht” – diesmal sogar buchstäblich.

Auszug aus der Arbeitsanleitung – Vorbereitung:

  • Lümmelaugen für den Jütbaum am Großmast montieren
  • Großbaum und Besanbaum und die dazugehörigen Gaffeln auf die Luke fieren
  • Fockbaum über die Backbord Rettungsinsel fieren und laschen
  • Kran für Besan aufriggen
  • Ablagebock für den Besanmast vor dem Niedergang montieren
  • Sicherungen der Wanten abschrauben
  • Wantenspanner lösen bis auf ein Unterwant je Seite und je Mast
  • Backstagen vom Groß am Block abschäkeln und zu Blocks holen
  • Fallen und Dirken mit Flaggleine zu einem Bunsch wickeln (Großpiekfall, Großjolle, Gaffelgier und Genickstag nicht mit einbinden)
  • Klüversegel mit Hals und Kopf am Fall wegfieren
  • Klüverstag von der Baumnock abschlagen
  • Jütbaum für den Besanmast aufriggen und am Klaufall vom Groß sichern
  • Slutchblock an der achteren Winde anschlagen

Zu jedem Arbeitsschritt müsste ich jetzt eigentlich wohl noch ganz viel erklären, aber das sprengt jetzt den Rahmen. Das ist auch der Grund, weshalb uns selbst zehn kräftige russische Freiwillige keine große Hilfe wären. Allein das Erklären dauert, vor allem weil ja auch nicht alle Englisch verstehen und manche haben einfach zwei linke Hände und Beine.