
Mag keine schmutzige Wäsche - Sonja Hochgesand.
Sonja Hochgesand ist ein Glücksgriff für Greenpeace. Sechs Jahre lang hat sie bereits in der Greenpeace Gruppe Düsseldorf ehrenamtlich für Greenpeace gearbeitet, neben ihrem Vollzeit-Job als Chemisch-Technische Assistentin. Schon als Kind fand Sonja Greenpeace toll und hat die Wände ihres Kinderzimmers mit Tierbildern gepflastert. Zum Beispiel von Delfinen. So überrascht es nicht, dass sie in der Düsseldorfer Gruppe Expertin für den Bereich Meere wurde. Das Wissen darüber hat sie sich in vielen Workshops und Fortbildungen angeeignet. Außerdem war sie dort für die Greenteams, das Kinder-und Jugendprojekt von Greenpeace, zuständig.
“In Hochzeiten waren das schon mal 10 Stunden die Woche, ” sagt sie und lacht. “Aber ich hatte schon auch noch Zeit für Freunde und Hobbys.” Sonja lacht gern und viel. Sie ist trotz der Ernsthaftigkeit, mit der sie sich für Greenpeace einsetzt, ein fröhlicher, kommunikativer Mensch, offen und spontan.
Als sich die Möglichkeit bot, hauptamtlich für Greenpeace in der Detox-Kampagne mitzuarbeiten, hat sie gleich zugegriffen, denn ihren alten Job wollte sie ohnehin nicht ewig ausüben. Sonja ist die Begeisterung anzumerken. “Unglaublich, was man alles schafft, wenn man den ganzen Tag zur Verfügung hat und nicht nur am Wochenende oder nach Feierabend etwas für Greenpeace machen kann.” Seit Mai arbeitet sie nun im Speicher, wie die Greenpeacer die Zentrale in Hamburg nennen, die in einem der historischen Elbspeicher am Hafen untergebracht ist.
Wertvolle Gruppen-Erfahrungen als Hilfe im Job
Sonja ist für die Greenpeace Gruppen im ganzen Bundesgebiet Ansprechpartnerin, wenn es um die Detox-Kampagne geht. Sie weiß genau, wie die Kolleginnen und Kollegen in den Gruppen arbeiten, welche Informationen sie brauchen, wie viel Vorlauf nötig ist, wenn die Gruppen zum Beispiel Infomaterial verteilen sollen. “Es kommt schon vor, dass man aus der Greenpeace-Zentrale am Freitag eine Kopiervorlage geschickt bekommt, die gedruckt und am Samstag am Infostand verteilt werden soll. Und dann muss man nach der Arbeit mal eben schnell zum Copyshop. Zu einem, der auch Recyclingpapier hat, wohlgemerkt! Das kann zeitlich schon mal knapp werden. Ich kann hier natürlich jetzt meine Erfahrung als Grüpplerin einbringen. Umgekehrt bekomme ich mit, wie viel Stress und Betriebsamkeit im Speicher herrscht und kann bei den Gruppen verständlich machen, warum es manchmal eben ein paar Tage dauert, bis sie auf eine E-Mail mit einem Vorschlag eine Antwort bekommen. Als wir die Detox-Kampagnen gestartet haben, hat uns die Presse praktisch die Tür eingelaufen.”
Der schnelle Erfolg der Kampagne hat sie dennoch überrascht. Denn kurz nachdem Greenpeace anprangerte, dass Firmen, die für Adidas, Nike und Puma Sportbekleidung produzieren, bei deren Herstellung in China die Flüsse vergiften, haben Adidas, Nike und Puma reagiert und sich verpflichtet, hormonell wirksame Chemikalien wie Nonylphenolethoxylate (NPE) bis zum Jahr 2020 komplett aus den Produktionsprozessen zu entfernen.
“Der schnelle Erfolg spornt uns aber an, noch mehr zu erreichen in der Textilindustrie. Und natürlich überprüfen wir, ob den Worten der großen Sportartikelfirmen auch Taten folgen.”
Das deutsche Greenpeace-Büro arbeitet dabei natürlich eng mit den chinesischen Kolleginnen und Kollegen zusammen. In einem Land wie China ist es nicht einfach, sich für den Umweltschutz zu engagieren.
“Aktivisten, die bei einem Flashmob mitgemacht haben, wurden verhaftet und erstmal zwei Stunden verhört. Sowas kann man sich hier gar nicht vorstellen. Sich mit einem Detox-Schild vor ein Schaufenster zu stellen, ist in China eine kleine Sensation. Sogar die staatlichen Medien in China haben darüber berichtet. In einem Land, in dem es keine freie Presse gibt, ist das großartig.”
Welche Erfahrungen hat sie in ihrer ehrenamtlichen Arbeit bisher gemacht?
“Sehr unterschiedliche. Manchmal wurden wir von Leuten regelrecht beschimpft, wenn wir in Düsseldorf in einer schicken Fußgängerzone standen, um auf Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Die meinten dann, wir sollten doch lieber arbeiten gehen. Und das, nachdem man gerade eine 40-Stunden-Woche hinter sich hatte und eigentlich ein freies Wochenende vor sich. Aber es gibt natürlich auch sehr freundliche Leute, die zu uns kommen, erzählen, dass sie Fördermitglied sind und wie toll sie unsere Arbeit finden.”
Der Übergang zwischen Arbeit und Freizeit ist fließend. Das merken auch Freunde und Bekannte, zum Beispiel beim Einkaufen. “Ich kaufe eben bewusst ein, da gibt’s keinen Joghurt von Müller Milch oder Weihenstephan. Das stellt Freunde schon mal vor eine Herausforderung. Und dann ist sie auch noch Vegetarierin!”, ruft Sonja aus und schlägt, die Freunde nachahmend, theatralisch die Hände vor’s Gesicht. Auch was Kleidung angeht, versucht sie, bei kleinen Labels zu kaufen, die möglichst umweltfreundlich produzieren. Viele Freundinnen fragen sie jetzt natürlich, welche Kleidung sie noch kaufen können und welche nicht. Bei der Vielzahl der Labels ist das nicht immer ganz einfach, deshalb gibt es dazu einen Hintergrundbericht von Greenpeace.
Hamburg findet Sonja schön, es gefällt ihr sehr gut. Hier hat die gebürtige Mainzerin auch wieder einen großen Fluss vor der Haustür. Und hofft, dass es auch nach der Detox-Kampagne für sie in Hamburg weitergeht.