Neuer Moratorium-Plan enttäuscht

02. März 2011

Der Regenwald - Heimat des bedrohten Orang-Utans

Der indonesische Präsident plant konkret, ein Moratorium zu verabschieden. Das berichten meine indonesischen Kollegen, die einen Entwurf dieses Moratoriums erhalten haben.  Ein Moratorium ist seit Jahren die Hauptforderung unserer Waldkampagne bei Greenpeace. „Moratorium“, darunter verstehen wir, dass es einen sofortigen Einschlagstopp auf alle wertvollen Wälder und besonders die kohlenstoffreiche Torfwälder geben muss. Auf den ersten Blick eine gute Nachricht – aber…

Urwälder nicht ausreichend geschützt

Wir haben uns den Entwurf genauer angesehen und anhand von Kartenmaterial berechnet, dass etwa  45 Millionen Hektar (zweimal Großbritannien) naturnaher Wald und Torfwald nicht unter den Schutz fallen. Das bedeutet: Eine Fläche zweimal so groß wie Großbritannien kann zur Abholzung freigegeben werden. Das Moratorium, wie zurzeit vorgesehen, wird lediglich 12 Millionen Hektar Wald schützen. Der liegt zudem in meist extrem unzugänglichen Gebieten in Papua und Kalimantan und steht momentan noch nicht unter akuter Bedrohung. Der Großteil der Orang-Utan-Gebiete in Indonesien wird damit nicht geschützt werden.

Abholzung des Torfmoorregenwaldes

Ein fauler Kompromiss, den die indonesische Regierung da vorlegt; dieser Entwurf verdient die Bezeichnung “Moratorium” nicht. Mit einem solchen Plan wird die Regierung ihr Ziel, die Treibhausgase um 40 Prozent zu senken, wohl kaum erreichen. Einmal mehr hat man sich der Macht der Palmöl- und Papierindustrie gebeugt und sich gegen Klimaschutz und Artenschutz ausgesprochen. Die Regierung muss jetzt sofort und dringend handeln und den Gesetzesentwurf nachbessern.

Die Wälder in Indonesien können nicht warten!

Rainbow Warrior darf nicht in Indonesien anlegen

26. Oktober 2010

Das Greenpeace-Schiff “Rainbow Warrior” hat keine Erlaubnis zur Einreise in indonesische Gewässer erhalten. Das Schiff befindet sich derzeit in Südostasien auf seiner “Turn the Tide”-Tour. Sie dient dem Zweck, das Umweltbewusstsein zu fördern, Lösungen für die Bekämpfung des Klimawandel und den Walderhalt bekannt zu machen und den 10. Jahrestag der offiziellen Präsenz von Greenpeace in Südostasien zu feiern. Die Tour ist eine Botschaft der Hoffnung und ein Aufruf zum Handeln an die Regierungen für Nachhaltigkeit und grüne Entwicklung in Asien.

© Athit Perawongmetha / Greenpeace - Fischerboote begrüßen die Rainbow Warrior in ThailandEs ist das erste Mal, dass unserem Schiff die Einreise in die Republik Indonesien verweigert wird. In der Vergangenheit durften die “Rainbow Warrior” und andere Greenpeace-Schiffe problemlos ins Land einreisen. Ziele der Schiffstouren waren es, gemeinsam mit lokalen Gruppen und betroffenen Behörden über ökologische Probleme einschließlich des Dumpings von gefährlichen Abfällen zu informieren und die UN-Klimakonferenz 2007 in Bali zu begleiten. Die “Rainbow Warrior” leistete in der Zeit nach dem Tsunami 2004 auch Katastrophenhilfe in der Region Aceh. Vor diesem Hintergrund empfinden wir die Einreiseverweigerung als unverständlich harte Linie gegen die “Rainbow Warrior” und ihre Crew.

Ebenfalls alarmierend für uns sind die jüngsten Entwicklungen am Morgen des 20. Oktober 2010. Unserem Schiffsagenten wurde von der indonesischen Marine die Lieferung von Lebensmitteln und Vorräten für die Besatzung der “Rainbow Warrior” verweigert. Dies widerspricht bestehenden internationalen Vereinbarungen, die Hilfe und Unterstützung für alle Seeleute unabhängig von ihrer Nationalität, Religion, politischen Überzeugung oder sozialen Herkunft festlegen. Wir finden es beunruhigend, dass die indonesische Regierung sich für diese unangemessen starre und kompromisslose Haltung gegen unsere Kampagnen, gegen unser Schiff und seine Besatzung entschieden hat.

Anfang dieses Jahres unterzeichnete Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ein historisches Abkommen mit Norwegen zur Verringerung der Emissionen aus Entwaldung und Degradation (REDD). Die Vereinbarung, die bis Ende dieses Jahres abgeschlossen werden könnte, würde das größte Klimaschutzprojekt der Welt begründen. Präsident Yudhoyono begrüßte ausdrücklich die Zusammenarbeit mit NGOs wie Greenpeace, um die fortschreitende Entwaldung und den Klimawandel zu bekämpfen. Es ist jetzt wichtig, dass auch Investoren und Unternehmen in Indonesien mithelfen, die Zerstörung der Regenwälder zu stoppen, und dazu beitragen, dass Indonesien ein globales Modell für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung wird.

Die Verweigerung der Einreise zeigt, wie schwach Indonesiens Demokratie ist und wie stark die Kräfte, die sich auf Kosten der Regenwälder und der Bevölkerung bereichern wollen. Das ist ein kalter Gegenwind für unsere Kampagne, der uns jedoch nicht abhält, weiterzumachen im Kampf um die wertvollen Regenwälder Indonesiens.

Moor und Torf als Klimaschutz

13. August 2010
©Greenpeace/Natalie Behring

Brennende Torfwälder in Indonesien.

Die verheerenden Brände in Russland sind neben den Verlusten, der Schadstoffbelastung und der radioaktiven Gefahr auch eine Katastrophe für Klima und Umwelt. Ein Großteil der Brände findet auf Torfböden statt. Das sind Moorgebiete, die riesige Mengen Kohlenstoff speichern, der als klimaschädliches CO2 freigesetzt wird, wenn diese Böden trockengelegt werden oder abbrennen.

Schon ohne Brände setzen russische Moor- und Torfgebiete (nur der europäische Teil Russlands) 139 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr frei, weil die Böden entwässert und landwirtschaftlich genutzt werden. Damit ist Russland an zweiter Stelle hinter Indonesien, wo die bedeutendsten Torfwälder der Welt existieren, die in rasantem Tempo für Ölpalmen- und Akazienplantagen vernichtet werden. Brennende Torfflächen sind nicht nur riesige Klimakiller, sondern auch noch sehr schwer zu löschen, da Torf noch Monate unterirdisch weiter brennen kann.

Die Brände in Russland sollten die internationale Staatengemeinschaft jetzt auch in Sachen Klimaschutz aufrütteln. Nur noch drei Prozent der Landfläche sind weltweit mit Mooren bedeckt, jedoch speichern diese 30 Prozent allen terrestrischen Kohlenstoffs. Der Schutz dieser Moore und Torfgebiete ist also ungemein wichtig, zumal die feuchten Biotope auch seltene und vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten beheimaten.

Die Bedeutung dieser Gebiete für Klima und Biodiversität ist jedoch noch nicht mal in Deutschland angekommen. Denn auch in Deutschland werden die wenigen erhaltenen Moore noch genutzt: Für landwirtschaftliche Flächen (meist Ackerfläche) und für den Abbau von Torf, der dann für Gartenerde verwendet wird.

Rund drei Prozent der gesamten deutschen Emissionen geht auf das Konto der andauernden Moorzerstörung. Degradierte Moore setzen in Deutschland 32 Millionen Tonnen CO2 frei, damit sind wir auf Platz neun der Negativliste weltweit und in Europa nach Finnland sogar an zweiter Stelle.

Im Zeitalter des Klimawandels sollte das Torfstechen eigentlich in die Geschichtsbücher gehören. Stattdessen ist industrieller Torfabbau immer noch gängige Praxis im Norden Deutschlands. Etwas acht Millionen Kubikmeter Torf werden vor allem in Niedersachsen gewonnen und von Erwerbsgärtnern und Hobbygärtnern gekauft, obwohl es längst klimafreundliche Alternativen gibt. Hier ein Beispiel für industriellen Torfabbau im Emsland.

Die Forderung gilt also weltweit, sowohl für Deutschland, Russland als auch Indonesien: Stopp jeder weiteren Zerstörung und Trockenlegung von Mooren und Torfwäldern sowie Renaturierung und Wiedervernässung von degradierten Torfflächen.