In den USA ist eine neue Gen-Maissorte für die Aussaat in der kommenden Anbausaison zugelassen worden. Angesichts der immer unübersichtlicheren Sortenanzahl wäre das keine Nachricht – im Falle von Mon87460 handelt es sich jedoch um einen Mais, der laut Hersteller Monsanto eine erhöhte Toleranz gegen Trockenheit haben soll. Ein uralter Traum der Agro-Gentechnik scheint damit wahr geworden zu sein.
Bisher konnten sämtliche Gen-Maissorten ausschließlich Resistenzen gegen Unkrautvernichtungsmittel oder Insekten vorweisen. Beide Eigenschaften versagen zunehmend in der Praxis und haben den Einsatz von Pestiziden nicht verringern können. Gentechnisch veränderte trockentolerante Sorten schienen, ein leeres Versprechen zu sein – auch wenn dieses gebetsmühlenartig wiederholt wurde. Und bei genauerer Betrachtung hält auch Mon87460 den Ansprüchen der Agro-Gentechnik nicht stand.
Der Mais kann – so Monsanto – im Vergleich mit konventionellen Sorten bei Wassermangel höhere Erträge liefern. Selbst das US-Landwirtschaftsministerium USDA stimmt dieser Ansicht nicht zu: Für trockene Regionen gezüchtete konventionelle Sorten lieferten in Feldversuchen mindestens vergleichbare Erträge wie Mon87460. Überhaupt werden klassische Züchtungserfolge gerne vergessen, wenn die Heilsversprechungen der Gentechnik erfüllt scheinen. Dabei gibt es gute Alternativen zur gentechnischen Manipulation von Trockentoleranz, eine Übersicht findet sich hier: http://www.gmwatch.org/component/content/article/31-need-gm/12319.
Die Entwicklung trockentoleranter Sorten mit normalen Züchtungsmethoden ist nicht nur einfacher und günstiger als die unter Verwendung von Gentechnik, sondern bei einem Blick auf die wissenschaftlichen Grundlagen schlicht und einfach die erfolgversprechendere Alternative. Die Toleranz von Mon87460 beruht auf der kontinuierlichen Produktion eines bakteriellen Kälteschock-Proteins. Dieses dient der Aufrechterhaltung zellulärer Funktionen unter abiotischem Stress (Hitze, Kälte, Trockenheit, Salz usw.).
Dieser Mechanismus spielt in Pflanzen ebenso eine Rolle wie in Bakterien, daher sind auch in ihnen die entsprechenden Gene vorhanden – es braucht das manipulativ eingebrachte Gen daher nicht. Und schon gar nicht dessen dauerhaften Betrieb. Der Gen-Mais verhält sich, als ob er sich ständig verteidigen müsste. Vergleichbar wäre dies mit ständigem Fieber beim Menschen, nur um gegen die eventuelle Attacke eines Grippe-Erregers jederzeit gewappnet zu sein. Eine echte Toleranz hingegen besteht in der flexiblen Antwort auf Extremereignisse.
Vor allem aber ignoriert die vermeintlich einfache Lösung Gentechnik die Komplexität der Problematik Trockentoleranz. Mon87460 kann kein bisschen besser mit Wasser umgehen als ähnlich durstige Maissorten. Die entsprechenden Eigenschaften der ursprünglich aus trockenen Regionen stammenden Pflanze sind im Genpool der Art durchaus vorhanden und erklären die Erfolge konventioneller Züchtung.
Zudem hat die effiziente Nutzung von Wasser in der Landwirtschaft nicht nur mit der gewählten Art oder Sorte der Kulturpflanze zu tun, sondern wesentlich mit dem Anbausystem. So reduziert zum Beispiel der wiederholte Anbau von Mais die organische Substanz im Boden – diese ist ein entscheidender Faktor für die Fähigkeit des Bodens, Wasser effektiv zu speichern und der Pflanze zur Verfügung zu stellen. In Entwicklungsländern spielen diese und ähnliche Faktoren eine noch entscheidendere Rolle als in den klimatisch vergleichsweise begünstigten Industrieländern. Umfassend betrachtet wurde dies in einem Mitte 2010 veröffentlichten Greenpeace-Report, der auch den nun neu zugelassenen Genmais thematisiert.
Die Agro-Gentechnik liefert also alles andere als eine innovative Pflanze, sondern beweist einmal mehr ihre Unfähigkeit, die eigenen Erwartungen zu erfüllen und einen Beitrag zu nachhaltiger Landwirtschaft zu liefern. Dennoch dürften beachtliche Ressourcen von Seiten Monsantos in die Bewerbung und Vermarktung des Lieblingskindes Mon87460 fließen – und eventuell dessen Unzulänglichkeiten zugunsten des Profits vergessen machen.













