Ich bin fassungslos…

25. Oktober 2009

Ahoi,
nun ist ja schon so einiges an Zeit vergangen seit unserer letzten, großen Beluga-II-Reise – aber meine Gedanken gehen wieder zurück. Die letzten Tage habe ich viel an Karl denken müssen. Karl war diesen Sommer für fast zwei Wochen in Stralsund mit an Bord.

Er hat sich um das Wohl der Leute gekümmert, Besucher durch das Schiff geführt, nebenbei Fotos für die Webseite gemacht und zwischendurch  immer noch ein paar Kleinigkeiten gefunden, die es zu reparieren gab.

Er war einfach nicht zu bremsen. Bei so viel Elan habe ich oft alt ausgesehen. Und auch wenn wir uns nicht immer ganz einig waren, so  konnten wir das doch immer am Abend bei einem geselligen Bier wieder ins Lot rücken.

Karl ist kürzlich verstorben. Es macht mich fassungslos. Er war noch so voller Tatendrang und Energie. Er wird dem Schiff fehlen und er  wird Greenpeace fehlen, aber vor allem wird er uns fehlen.

Kina

Ein Gedicht für Uwe, den Kapitän

20. Oktober 2009

Ahoi nochmal, es gibt Neuigkeiten von Bord der Beluga II. Unser Kapitän Uwe hat das Schiff und das verregnete Hamburg  verlassen und tummelt sich nun im Mittelmeer herum. Ganz schön clever.

Uwe, Kapitän der Beluga II

Kapitän Uwe

Für die nächsten zwei Monate schaut Uwe dem Kapitän der Rainbow Warrior über die Schulter. Uwe muss nämlich noch ein bisschen Fahrtzeit auf anderen Schiffen sammeln, damit er bald auch in internationalen Gewässern die Beluga II ganz alleine segeln darf. Da bietet sich natürlich das Greenpeace-Flagschiff hervorragend an, weil es erstens überall in der Welt unterwegs und zweitens wie die Beluga II ein Segelschiff ist.

Bis jetzt ist oft unser Steuermann Christian mit seinen gültigen Papieren zur Hand gewesen, um uns in internationale Gewässer zu begleiten. Und Christian kennt auch den Uwe ziemlich gut und hat ihm zu Ehren ein Gedicht verfasst:

Ilse Vormann ist der Name
der generösen alten Dame,
die “Greenpeace” einst das Geld gegeben
“Beluga II” auf Kiel zu legen.

Sie ist nicht ganz, was man sich dachte,
weil man beim Bau auch Fehler machte,
so dass “Beluga II” sogar
auf Fahrt mal ohne Schraube war.

Die Schraube wurde dann gefunden
und achtern wieder angebunden,
worauf das Schiff mit eigner Kraft,
den Weg zur Behrens-Werft geschafft.

Ein Wunder! …und das zweite war,
dass Peter plötzlich Uwe sah
und dabei klug sofort entdeckte,
was an Potenzen in ihm steckte.

So begann die Liebelei
von Uwe und “Beluga II”.
Liebe auf den ersten Blick
zu beider Schicksal, beider Glück.

Ganz unten hat es angefangen
voller Hoffnung voller Bangen
immer aber voller Glauben,
schraubte er an allen Schrauben.

Erst als Matrose und sodann
als Maschinist und Steuermann
und darf mit richtigen Papieren
als Kapitän das Schiff jetzt führen.

Fragt man ihn, ob der Job ihm stünde,
meint er, dass er recht “cool” ihn finde
und singt allein und ohne Chor
schon mal das Lied vom “Hühnchen” vor.

Obwohl kein grüner Junge mehr,
liebt er natürlich “Greenpeace” sehr.
Bei ihm ist keine Schraube locker,
höchstens mal ein Lotsenhocker!

CAPX809
alias Christian von der Beluga II

Lieben Gruss und kommt gut durch den Herbst.
Kina

Auch die Beluga kann Steine versenken!

12. August 2009

© Christian Åslund / Greenpeace - Meeresschutzsteine gehen über Bord der Beluga II

Meeresschutzsteine gehen über Bord der Beluga II

Montag waren wir Steine werfen! Und gestern auch… Die Steine wiegen jeweils rund eine Tonne, sind aus Granit und lassen sich nur mit einem Bagger bewegen. Jeder dieser Steine bringt uns auf dem Weg zu einem echten Meeresschutzgebiet ein Stück weiter.

„Steine werfen” – Was so einfach klingt, war für uns schon in der Vorbereitung viel Arbeit und Adrenalin – und erst in der Durchführung. Nach zwei Tagen harter Arbeit liegen wir heute wegen schlechtem Wetter im Hafen und ich komme endlich wieder zum Schreiben. Aber erstmal von vorn:

Nach unserem Zwischenstopp in Dänemark kamen wir Samstag morgen im schwedischen Varberg an. Den ganzen Sonntag haben wir dann damit zugebracht, die Beluga für das Steinewerfen umzurüsten. Der Ladebaum wurde aufgeriggt, der Laderaum mit einem Auffangnetz gegen schwingende Steine gesichert und dann haben wir mit einem vollen Bannersack die ersten Trockenübungen erfolgreich abgeschlossen. Zur guten Vorbereitung gehört natürlich auch, alle zwei Stunden den Wetterbericht zu checken. Und alle Signale stehen auf „Go”.

So bin ich Sonntag Abend nach getaner Arbeit erstmal duschen gegangen. Dann der Schreck mit nassen Haaren. Ich will zurück zum Schiff, mache die Tür vom Waschhäuschen auf… Da waren sie! Innerhalb weniger Minuten hatten gut zehn schwedische Fischtrawler den Hafen besetzt. Wild manövrierend, inklusive Rundumleuchte und dicken Scheinwerfern. Dann ging das wilde Spekulieren los: „Wollen die uns blockieren oder wollen sie „nur” Präsenz zeigen?” Wir konnten nur abwarten. Unser Kapitän Uwe hat vorsichtshalber schon mal die Schiffspapiere und das Logbuch unter seinem Kopfkissen versteckt.

© Christian Åslund / Greenpeace - Die Beluga II unter Beobachtung der Fischer

Die Beluga II unter Beobachtung der Fischer

Wider erwarten lief der Abend dann aber sehr friedlich ab. Wir Deutsche an Bord sprechen zwar kein Schwedisch. Aber man hörte schon am Tonfall der Fischer, dass aus den Vorwürfen zu Beginn bald eine Diskussion mit Argumenten wurde. Unsere schwedischen Kampaigner haben alles gegeben und Sebastian unser Baggerfahrer – der hauptberuflich Landwirt aus dem Wendland ist – hat es den Fischern dann auf englisch nochmal auf seine Weise erklärt: „Wenn ich als Landwirt zehn Jahre hintereinander Kartoffeln auf dem selben Acker pflanze, dann ernte ich auch nix mehr!”

Montag morgen nach dem Trubel dann der Blick in einen leeren Hafen. Ach ja, der Frachter mit den rund 200 Steinen im Bauch war ja schon mal vorgefahren. Für uns noch ein paar ruhige Minuten, bevor es richtig los ging. Nach dem täglichen Aufklaren warteten wir noch auf die letzten Journalisten – und dann nix wie hinterher. Und da waren wir auch alle wieder auf See vereint. Unser Frachter, die Fischer vom Abend zuvor, die schwedische Küstenwache und wir auf der Beluga II.

Die Fischer versuchten uns mit verschiedenen Manövern ihrer Schiffe zu blockieren. Aber Uwe hat ihre Taktik schnell durchschaut, und wir erreichten unsere vorgesehene Position. Uwe stelle ich euch mal näher vor, sobald wir ein bisschen mehr Zeit haben.

Schnell den ersten Stein aus dem Laderaum der Beluga II an den Ladebaum gehängt und nix wie raus damit. Dann den zweiten und die anderen drei haben wir noch an Bord, um sie in den nächsten Tagen an anderer Position rauszuhieven. Das war für unser Schiff eine Premiere, aber soooo gut vorbereitet konnte natürlich nix mehr schief gehen. Zudem hat der von Greenpeace gecharterte Frachter 42 weitere Steine mit der alt bewährten Methode ausgebracht: Bagger, Gabelstapler und zwei Typen die es drauf haben, Sebastian und Thore.

Die Kurzbilanz für den Dienstag: etwa 60 erfolgreiche Steinwürfe von der Fehn Coast.

Ich halte euch auf dem Laufenden.

Let’s rock!

Kina