Vor gut zwei Wochen haben wir eine Karte von potentiellen CO2-Endlagerstandorten veröffentlicht. In vielen Zeitungen wurde darüber berichtet und die Karte abgedruckt. Auch der Brandenburger Landtag und der Umweltausschuss im deutschen Bundestag beschäftigte sich mit der CO2-Endlagerkarte von Greenpeace. Umweltminister Norbert Röttgen stellte den geplanten CCS-Gesetzentwurf erst einmal zurück.
Doch der Umgang mit den besorgten Fragen von Bürgern war immer der gleiche: abwiegeln, verharmlosen, leugnen. Die Krönung leistet sich Wirtschaftsminister Christoffers (DieLinke) in der aktuellen Fragestunde am 24.2. im brandenburgischen Landtag. Er nutzte die Gelegenheit für eine krude Klarstellung:
Sie wissen, dass Greenpeace eine angebliche Studie veröffentlicht hat mit über 400 angeblichen Speicherstandorten hier in Deutschland. Dazu will ich nur sagen, mit Rücksprache auch mit den betreffenden Institutionen des Bundes. Diese über 400 Standorte sind die Koordinaten von Bohrlöchern, die in den letzten Jahren in der Bundesrepublik Deutschland verbracht worden sind um den geologischen Untergrund zu klären… Die jetzige Verunsicherung, die ganz gezielt in die Regionen hereingetragen wird, als wenn hier Speicherung und Erkundung ansteht, ist falsch.
Christoffers hob hervor, dass es in Brandenburg keinerlei Grund zur Besorgnis gebe oder etwa ein Anlass für Bürgerprotest bestehe:
Ich bedauere außerordentlich, dass durch das Agieren von Greenpeace hier diese Verunsicherung zusätzlich hereingetragen wird.
Damit streut der Minister bewusst Fehlinformationen. Die von Greenpeace veröffentlichten Standortkoordinaten sind keine Koordinaten von Bohrlöchern. Es sind exakt 408 einzelne mögliche Endlager-Standorte, auf denen die Potentialabschätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) beruht. Diese Potentialabschätzung führte zum Ergebnis, dass Deutschland nur sehr begrenzte CO2-Endlagerpotentiale besitzt. Wollen Politik und Industrie also mit der CO2-Verpressung ernst machen, dann müssen alle diese Standorte auch genutzt werden. Und umgekehrt: Würden viele der Standorte nicht genutzt, würde die Kapazität der CO2-Endlager so drastisch schrumpfen, dass ein möglicher Klimaschutzbeitrag vernachlässigbar ist.
Auch eine schriftliche Antwort des parlamentarischen Staatssekretärs Hans-Joachim Otto vom Wirtschaftsministerium auf Fragen der Grünen in einer aktuellen Fragestunde des deutschen Bundestages am 23. Februar ist grob irreführend. Die Frage warum die Bundesregierung den Zwischenbericht zum Speicherkataster Deutschland zur Verschlusssache erklärt, beantwortet die Regierung wie folgt:
Der Zwischenbericht war und ist keine Verschlusssache.
Das ist eindeutig falsch. Denn der Forschungsbericht FKZ 0327765 mit der Archivnummer 0129435 ist im BGR für die Öffentlichkeit gesperrt bis 01.05.2012. Verschlusssachen sind grundsätzlich für jeden Mitarbeiter einer Behörde im Rahmen seiner Dienstgeschäfte zugänglich. Auch kann ein Bürger nach dem Umweltinformationsgesetz nach Antrag Einsicht in das Dokument erstreiten. Öffentlich zugänglich sind sie damit aber keineswegs. Ich selbst konnte lediglich nach Antrag in der Bibliothek der BGR unter strengsten Auflagen Einsicht nehmen. Dabei wurde für mich extra ein Spezialexemplar ausgedruckt, in dem wesentliche Passagen des Berichts geschwärzt worden waren.
Und auch Dr. Peter Gerling, der zuständige Abteilungsleiter der BGR, wiegelt auf einer Infoveranstaltung Anfang dieser Woche in Schwarmstedt ab:
Die BGR hatte niemals den Auftrag Standorte zu suchen. Die BGR hat nicht flächendeckend in DE Strukturen untersucht.
Und folgert daraus:
Die Greenpeace-Karte ist unvollständig. Die Greenpeace-Karte ist daher nicht hilfreich.
Doch Herr Gerling verschweigt, dass die von Greenpeace veröffentlichten Koordinaten der Standorte die Basis der BGR für die eigene Kapazitätsberechnung für CO2-Endlagerpotentiale in Deutschland sind. Und die BGR hat zuerst den Untergrund in den Regionen ausgewertet, wo potentielle CO2-Endlagerstandorte zu vermuten sind. Greenpeace hat selbstverständlich alle Standorte berücksichtigt, die in die Potentialabschätzung des BGR Eingang gefunden haben.
So wird der Öffentlichkeit weiter Sand in die Augen gestreut. Mit irreführenden Behauptungen wird versucht, die Brisanz der Veröffentlichung der Greenpeace-Karte mit den konkreten Standortinformationen herunterzuspielen. Die systematische Endlagersuche hinter dem Rücken der Bevölkerung wird als angebliche Grundlagenforschung tituliert.
Lasst euch sich nicht täuschen. Gründet eine Bürgerinitiative in eurem Ort, schließt euch zusammen und übt Solidarität, vor allem mit den Bürgern und Bürgerinnen in Brandenburg. Nur gemeinsam können wir den kommerziellen Einstieg in die CO2-Verpressung verhindern. Denn nach meiner Meinung bereiten die BGR, Vattenfall und Wirtschaftsminister Christoffers unter Vorspiegelung falscher Tatsachen die kommerzielle CO2-Verpressung vor. Und ihnen scheint dabei jedes Mittel recht zu sein. Deshalb: Kein CO2-Endlager, nicht hier und auch nicht anderswo.











