Was ich hier im Spessart jeden Tag sehe, ist mir in vielen Regionen Deutschlands aufgefallen. Der öffentliche Wald wird nicht mehr als Ökosystem mit Gemeinwohlfuktion für unsere Gesellschaft gesehen, sondern ausschließlich als Rohstoffquelle.
Viele – auch öffentliche Betriebe – entscheiden nach den Kriterien des Marktes bzw. der Nachfrage darüber, was an Holz entnommen wird. Das Wissen, wie die wertvollen Ressourcen genutzt und der Wald gleichzeitig erhalten werden kann, spielt dabei keine Rolle. Dabei gibt es auch vorbildliche Betriebe wie zum Beispiel in Lübeck und Göttingen, die so wirtschaften, dass sie Ökologie und Gemeinwohl Vorrang geben.
Und die Folgen der intensiven Holznutzung kann ich überall mit bloßem Auge sehen: Die Wälder werden jünger, lichter und werden befahren wie ein Parkplatz von IKEA. Mittlerweile wird bis zu einem Fünftel der Waldfläche von riesigen Maschinen befahren.
Während uns die Bevölkerung im Spessart erzählt, dass auch sie mit Sorge sehen, was seit Gründung der BaySF in ihren Wäldern passiert, reagieren die Forstverbände auf die Forderung nach einem Einschlagstopp in über 140 jährigen Buchenbeständen, als würde das das Ende der Forstwirtschaft bedeuten. Immer wieder wird auch behauptet, das Ende der Holzrechtler im Spessart oder anderswo würde beginnen. Das Gegenteil ist der Fall.
Die traditionellen Holzrechte im Spessart sind etwas sehr seltenes in Deutschland und historisch bedingt. Das Recht, nur für den eigenen Bedarf Holz im Wald zu machen und dabei immer das Gemeinwohl im Blick zu behalten, ist auch international etwas sinnvolles. Was unter dem Stichwort ‚commons’ diskutiert wird, geht von der gemeinschaftlichen Verwaltung von Naturgütern bis hin zu globalen Interessen wie dem Erhalt der Biodiversität.
Die Holzrechte im Spessart wurden Ende der 80er Jahre in einer Vereinbarung mit der Bayerischen Staatsforstverwaltung so geregelt, dass jedem Spessarter das Recht auf bestimmte Hiebe zusteht. Das findet große Akzeptanz bei den Bürgern. Auch Greenpeace betont immer wieder, dass die Holzrechte etwas einmaliges sind und weiterhin in vollem Umfang bedient werden sollten.
Die Forderung von Greenpeace, Naturschutzbund und Bund Naturschutz auf Einschlagstopp beziehen sich nur auf zwei bis drei Prozent der Wälder in Deutschland, nämlich in den alten Buchen- und Laubholzbeständen, die noch übrig geblieben sind. Und das bezieht sich nur auf den öffentlichen Wald und ist somit noch einmal weniger.
In Bayern sind nach Aussage des Vorstands der BaySF etwa ein Prozent Buchenwälder über 180 Jahre und etwa weitere vier Prozent über 140 Jahre. Insgesamt könnten also 95 Prozent weiterhin für Brennholz und andere Verwertungen genutzt werden. Im Forstamt Rothenbuch, das einen überdurchschnittlichen Anteil von alten Waldbeständen ausmacht, sind acht Prozent über 180 Jahre und etwa 20 Prozent über 140 Jahre. Das bedeutet für dieses Forstamt weiterhin Nutzung auf 72 Prozent der Waldfläche. Im Forstamt Heigenbücken und Hammelburg sind es sogar noch mehr, die weiterhin genutzt werden könnten. Je schneller dann der Vorstandsvorsitzende der BaySF zehn Prozent des Bürgerwalds schützt, desto schneller kann das Moratorium wieder aufgehoben werden.
Der Spessart ist eben international nicht nur wegen seiner Buchenwälder eine einzigartige Region, sondern auch wegen seiner Holzrechtler.
Welche Auswirkungen die massive Intensivierung der Holznutzung in den letzten zwanzig und vor allem zehn Jahren hatte, wird morgen im Bundestag diskutiert. Dort soll im Ausschuss für Forsten die sogenannte Waldstrategie 2020 aus dem Hause von Forstministerin Ilse Aigner mit Experten und Expertinnen diskutiert werden.
Greenpeace lehnt die Waldstrategie ab und wird eine Stellungnahme einreichen, denn diese Strategie würde unseren Wäldern massiv schaden. Sie unterminiert die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, die Deutschlands internationale Verpflichtungen für den Wald mit klaren Zielen herunterbricht. Hier geht es um die Vorsorge, Wälder zu erhalten, die auch die öffentliche Hand in ihrem Pflichtenheft stehen hat. Nur wenige Landesforst- und kommunale Verwaltungen setzen das noch um. Ein schlechtes Beispiel sehe ich ja hier im bayerischen Spessart im Bereich der Bayerischen Staatsforsten.
Welche Auswirkungen die Strategie der bayerischen Bundesministerin Aigner für unser Klima hat, werden wir morgen präsentieren. Jetzt fahre ich nach Berlin!
Die Arbeit im Wald geht weiter. Tägliche Berichte aus unserem Waldcamp könnt ihr in unserer Blogreihe lesen. Und wer sich in der Nähe von Heigenbrücken aufhält, darf auch gerne mal vorbeischauen! Wie es im Camp aussieht, zeigt euch Waldexpertin Gesche Jürgens im Video:













