3° 8′ Süd, 60° 1′ West, Temperatur: 28 Grad Celsius und 94 Prozent Luftfeuchtigkeit: Ich bin in Manaus in Brasilien angekommen. Es fühlt sich an wie ein Treffen mit einer alten Bekannten, und doch ist es eine andere Welt. Ich habe mich bereits so lange mit dem Schutz des Regenwaldes am Amazonas beschäftigt, und doch ist es anders, nun mit eigenen Augen zu sehen, worüber man bisher aus Berichten von Kollegen erfahren hat. Ich freue mich, dass ich hier sein und meine Kollegen bei der Arbeit für die Rettung des Amazonas-Regenwaldes unterstützen darf.
Der Grund meiner Reise ist, dass sich die Staatschefs aus aller Welt im Juni in Brasilien treffen, um über die Entwicklung der Welt zu sprechen. Zwanzig Jahre nach der ersten „Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung“ sollen mit der Rio+20“-Konferenz die Fragen gestellt werden, wo wir stehen und was passieren muss, um den Weg der nachhaltigen Entwicklung doch noch einzuleiten. Und in besonderem Maße natürlich die Frage nach mehr Regenwaldschutz: Was muss hier in Brasilien eingentlich passieren, um die Zerstörung des Waldes endlich zu beenden?
Zwanzig Jahre nach Rio
Um diese Frage zu beantworten, wollen wir mit der Expeditionsfahrt der Rainbow Warrior auf dem Amazonas die wichtigsten Ursachen der fortschreitenden Entwaldung ansprechen und Lösungen aufzeigen. Wir wollen zeigen, dass die Beschlüsse des sog. Erdgipfels 1992 in Rio de Janeiro zwar wichtige Entwicklungen ausgelöst haben und doch die letzten Urwälder noch immer für Soja- und Rinderfarmen abgeholzt werden. Wir wollen die internationalen Unternehmen und die brasilianische Regierung daran erinnern, dass sie ihren Verpflichtungen zum Stopp der Abholzung nachkommen müssen. Dies ist für den Schutz der Artenvielfalt und des weltweiten Klimas wie für das Überleben zehntausender indigener Menschen entscheidend.
Heute, knapp 20 Jahre nach der ersten Nachhaltigkeitskonferenz in Rio, sitze ich an Bord der neuen “Rainbow Warrior” im Hafen der Regenwaldmetropole Manaus. Morgen werden wir Richtung Rio der Janeiro ablegen. Von Manaus wird das Schiff über Santarém und der Amazonasmündung in Belem fahren, um rechtzeitig zum „Rio+20“-Gipfel (20. bis 22. Juni 2012) in Rio anzukommen.
Klobrillen aus Mahagoni-Holz
Meine erste “Bekanntschaft” mit dem Amazonas-Regenwald machte ich bereits 1993. Damals verkauften Baumärkte in Deutschland Klobrillen aus Mahagoni-Holz. Das Holz stammte aus Regenwaldzerstörung. Dem ersten Protest von Greenpeace gegen den Verkauf des Regenwaldes folgte vonseiten der Baumärkte erst einmal: nix. Ich protestiere daraufhin mit meinen Aktionskollegen sechs Wochen lang jeden Samstag vor diversen Filialen des Hamburger Baumarktes „Max Bahr“. Bis dieser den Verkauf der Urwald-Klobrillen einstellte. Ein Erfolg für uns, durch unsere Proteste konkretes positives Handeln ausgelöst zu haben, aber erst der Anfang.
Seitdem setze ich mich für den Schutz des Regenwaldes ein, um die einzigartige Schönheit, die Pflanzen und Tiere, die hier leben und nicht zuletzt unser Klima zu schützen. Wir müssen endlich handeln, um die Zerstörung des Regenwaldes aufzuhalten. Nur so können wir den Menschen, die im und vom Regenwald seit Generationen leben, wirklich helfen und bedrohte Tierarten retten und obendrauf noch der fortschreitenden Klimaerwärmung entgegenwirken.
Bundeskanzlerin Angela Merkel muss den Rio+20-Gipfel nutzen, um aus ihren schönen Worten aktiven Klima- und Umweltschutz zu machen. Ihr damaliger Vorgänger und politischer Ziehvater, Kanzler Helmut Kohl, hatte damals – Anfang der 90er Jahre – mit einem Tropenwaldrettungsplan das Thema erstmalig aufgegriffen. Kanzlerin Merkel muss sich nun Fragen lassen, was sie unternehmen wird, damit ein Zeitalter beginnen kann, in dem wir keine Entwaldung mehr feststellen werden, das Zeitalter der “Null Entwaldung”. Hierzu haben meine Kollegen von Greenpeace Brasilien letzten Donnerstag eine Initiative gestartet: wir wollen ein Prozent der brasilianischen Bevölkerung für ein “Null Entwaldungs-Gesetz” überzeugen und sammeln dafür auf unserem Weg nach Rio hoffentlich die nötigen Unterschriften. Wenn 1,4 Millionen Brasilianer die Petition unterstützen, wird sich das Parlament und die Regierung damit beschäftigen müssen. Es ist höchste Zeit ein Zeitalter der Null-Entwaldung einzuleiten, nicht nur in Brasilien.













