Lohbeck testet den up

14. Dezember 2011

Es war ja viel zu hören über den hohen Verbrauch des neuen VW up. Bereits der von VW angegebene Verbrauch im offiziellen Messzyklus lag überraschend hoch. Und nachdem der Kleinstwagen von allen größeren Zeitungen und Fachzeitschriften getestet worden war, lautete der nahezu übereinstimmende Befund: Der up ist ein kleiner Schluckspecht. Meine kurze Probefahrt hat diesen Eindruck nun bestätigt. Auch wenn die Fahrt nur etwa 100 Kilometer lang war, lieferte sie dafür doch genügend Anhaltspunkte.

Um zu gewährleisten, dass auch die sehr kurze Fahrt einen groben Eindruck vom Verbrauch auf einer konkreten Strecke vermitteln kann, habe ich das Testfahrzeug extrem sorgfältig betankt und darauf geachtet, eventuelle Luftblasen zu vermeiden. Das Ergebnis: Über fünf Liter bei fast reiner (und eher defensiver) Autobahnfahrt. Das ist zu viel, auch bei Einrechnung aller denkbaren Unsicherheiten und Ungenauigkeiten angesichts der für eine Probefahrt natürlich zu kurzen Fahrstrecke.

Greenpeace Verkehrsexperte betankt den VW up

Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck betankt den up von VW © Dörthe Hagenguth

Das ist einen halben bis einen dreiviertel Liter mehr als VW für den “kombinierten Verbrauch”, also angeblich inklusive Stadtanteil, angibt (4,5 liter), und sicherlich zwei Liter oder mehr als nach dem Stand der Technik heute möglich. Das von Greenpeace schon vor 17 jahren präsentierte “drei-Liter-Auto”, der SmILE (small, intelligent, light, efficient) verbraucht auf vergleichbarer Strecke nur zweieinhalb Liter (Benzin), und das mit der Technik von vor fast 20 jahren.

Der up ist definitiv kein Ruhmesblatt für VW, sein Verbrauch ist eher peinlich, gerade unter Berücksichtigung, dass VW die Technik hat, um es besser zu machen. Damit ist nicht nur die “BlueMotion-Technologie” gemeint, sondern erst recht die Serie der ein-, zwei- und drei-Liter Autos, die die VW-Konzernlenker ab und zu bei Automessen präsentieren. Schade nur, dass es sich dabei um Alibi-Projekte handelt, die nicht auf die Straße kommen.

Hörtipp: Der letzte “Greencast” (#90) mit einem Interview mit dem Greenpeace-Verkehrsexperten Wolfgang Lohbeck.

Neues Effizienz-Label: Verbrauchertäuschung mit System

30. November 2011
So soll es aussehen: Das "Effizienzlabel" für PKW. Quelle: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

So soll es aussehen: Das "Effizienzlabel" für PKW. Quelle: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Die gute Meldung zuerst: Ab 1. Dezember gilt das neue (sogenannte) Effizienzlabel. Es  klassifiziert neue Autos nach ihrer Effizienz, also nach CO2- Ausstoß und Spritverbrauch – vergleichbar mit der erfolgreichen Kennzeichnung bei Kühlschränken. Schön übersichtlich, von grün (gut) bis rot (schlecht), auf einer Skala von A + bis G.

Eine gute Sache, zumindest auf den ersten Blick. Aber eben nur auf den ersten Blick. Denn was sich als verbraucherfreundliche und sachliche Information ausgibt, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Verbrauchertäuschung. Das populäre rot- gelb- grüne Label wird missbraucht. Die ursprüngliche Absicht des Effizienzlabels wird in ihr genaues Gegenteil verkehrt: Anstelle der Förderung klimaschonender leichter Autos, ist der eigentliche Effekt die Promotion besonders schwerer Fahrzeuge. Es ist kein Zufall, dass sich nur wenige Kleinwagen mit dem schönen grünen A oder A+ schmücken können, dafür aber umso mehr schwere Autos der Mittel- und Oberen Mittelklasse dieses Label ziert. Ein VW Touareg mit seinen 184 Gramm/km CO2-Ausstoß erhält die vergleichsweise gute Note B. Ein Golf mit 134 Gramm, trotz erheblich geringeren Verbrauchs und 50 Gramm weniger CO2-Ausstoß, rangiert nicht besser, sondern mit einem D zwei Kategorien schlechter.

Verrückt? Nein, System. Die Note wird nämlich nicht allein nach der Höhe des CO2- Ausstoßes vergeben. Auch werden nicht etwa die Autos innerhalb einer Kategorie (Kleinwagen, Kompaktwagen, Familienautos,  etc.) verglichen, was noch einen gewissen Sinn machen würde. Stattdessen wird der CO2-Ausstoß in Abhängigkeit zum Gewicht klassifiziert. Abgesehen davon, dass niemand ins Autohaus geht und sich anderthalb oder zwei Tonnen Auto kauft, pervertiert dieser Gewichtsbezug den Sinn des Labels in sein Gegenteil: Je schwerer ein Auto, desto günstiger rangiert es bei der CO2- Bewertung. Das ist ganz im Sinne der deutschen Autoindustrie. Die hat sich  mit ihrem Wunsch, insbesondere schwere Autos gut aussehen zu lassen, durchgesetzt. Das Klima bleibt ein weiteres Mal auf der Strecke. Ganz besonders übel ist, dass mit dieser Aktion auch das an sich positive Label missbraucht wird und in Misskredit gerät.

Das Effizienzlabel für PKW muss schnellstmöglich revidiert werden. Es soll klar aussagen, wie viel CO2 ein Auto ausstößt, unabhängig von anderen Parametern

Volkswagen und Greenpeace: Ein Briefwechsel, Teil 2

26. Oktober 2011
Banneraktivität VW Wolfsburg - © Gordon Welters/Greenpeace

Banneraktivität VW Wolfsburg im September 2011 - © Gordon Welters/Greenpeace

Bereits vor einiger Zeit haben wir über den Briefwechsel zwischen Volkswagen und Greenpeace berichtet. Der Konzern tut sich schwer, zeitnah und konkret Stellung zu unserer Forderung nach mehr Klimaschutz zu beziehen. Vor einigen Tagen haben wir Antwort von VW-Chef Martin Winterkorn erhalten – nach knapp vier Monaten. Herr Winterkorns Rückmeldung ist enttäuschend ausgefallen – auch wegen der langen Bearbeitungszeit bei VW.

Worum geht es im Brief? Grundlegend ist, dass VW und Herr Winterkorn uns weiterhin Antworten auf unsere Kernfragen – der zukünftigen Modellpalette und deren Emissionen – schuldig bleiben. Zwar gibt Herr Winterkorn seinem Respekt vor der Arbeit von Greenpeace und der Überzeugung Ausdruck, Volkswagen sei auf einem guten Weg, aber konkrete Angaben zu den Emissionen macht er nur für die Produktion. Die zukünftigen CO2-Emissionen der Neuwagen bleiben unerwähnt.

Herr Winterkorn sieht im wirtschaftlichen Erfolg und dem Angebot marktgerechter Fahrzeuge die Grundvoraussetzung auch für eine Weiterentwicklung umweltfreundlicher Technologien. Leider sagt er nicht, was VW unter “marktgerechten Fahrzeugen” versteht und welche Rolle nachhaltigere, sparsame Fahrzeuge bei diesen Überlegungen spielen.

Zudem bekundet Herr Winterkorn sein Interesse an einem Dialog mit Greenpeace. Aber er gibt keinen Hinweis, ob VW ein konkretes Ziel vor Augen hat – wie etwa das Erreichen einer bestimmten Obergrenze bei den Emissionen der Neuwagen und vor allem welcher.

Greenpeace hat Herrn Winterkorn auf seinen Brief geantwortet. Hier geht es zu unserer ausführlichen Stellungnahme.