Die vergangene Woche in St. Petersburg ist ausgesprochen hektisch verlaufen und hat uns Zeit und auch den einen oder anderen Nerv gekostet. Danach sah es am 28. April bei unserer Einfahrt in den Hafen erst gar nicht aus. Durch den Morgennebel hindurch ging es über Zufahrtskanäle hinein in die die ehemalige Zarenstadt – vorbei an maroden Industrieanlagen und ebenfalls nicht sehr einladend wirkender Wohnsiedlungen.
Zwei Tage lang waren wir dann mit der Beluga II am Kai der Kontrollstelle, dem Passenger Terminal “Morskoy Vokzal”, fest angebunden. Kein Ausgang für mich und Christian, unserem Dichter, Fotografierverbot für die Kaianlage.
Ausschließlich die offizielle “Beluga II” – Crew mit gültigem Seemannsbuch durfte währen dieser Zeit das Gelände verlassen und hatte hierfür jedesmal die Kontrollstelle zu passieren. Christian und mir war daher ein Landgang in dieser Zeit nicht gestattet – ich bin kein “Seebär” und habe daher folgerichtig auch kein entsprechendes Buch, welches mich als solchen ausweisen könnte. Christians Seemannsbuch wurde nicht akzeptiert, wohl weil es schlicht zu alt war. Wir hatten also bis zum 01. Mai zu warten, dem ersten Gültigkeitstag unserer Visa.
Trotz alledem, Langeweile kam nicht so richtig auf. Es gab ständig Anfragen der für uns zuständigen Schiffsagentur: Visadaten, Mannschaftslisten und anderen Formalitäten, für die auch jeweils ein Dokument erstellt und per E-mail versendet werden musste. Absprachen per Telefon alleine waren nicht gültig, da sie bei möglicherweise auftretenden Problemen nicht mehr nachweisbar gewesen wären. Die verbleibende “Frei”zeit verbrachten wir mit anfallenden Reparaturarbeiten und Vorbereitungen auf die anstehenden Veranstaltungen wie „Open Day“ oder unserer Pressekonferenz. Allerdings beschränkten sich diese Tätigkeiten eher auf Arbeiten kosmetischer Art – wie das grün anstreichen der Klappbänke…
Nun ja, alles geht einmal zu Ende und am Morgen des 01. Mai konnten wir dann unter der professionellen Führung des uns zugeteilten Hafenlotsen zu unserem endgültigen Liegeplatz für unsere St. Petersburger Etappe, dem “Pier of English Embankment” der Inflot- Agentur verholen. Eher technische Eindrücke dominierten diese Tour durch die Werftanlagen des St. Petersburger Hafens im morgendlichen Nieselregen: Kräne, Docks und Schiffe unterschiedlicher Bauart zogen unsere Aufmerksamkeit entlang der Kanäle auf sich. Am Ende des Kurztrips wartete schließlich eine Abordnung der örtlichen Greenpeace-Gruppe mit einem künstlerisch gestalteten Wilkommensbanner auf unsere Ankunft.
Anlegen, Festmachen, fertig. Die BELUGA II war also schließlich am ersten Bestimmungsort im Verlauf der Russland-Kampagne angekommen – jetzt konnte es endlich losgehen und wir näherten uns den ersten Etappen unserer eigentlichen Aufgaben. Der Rest des Tages verging mit Begrüßungen, Planungsbesprechungen und dem typischen Chaos vorbereitender Organisationsabläufe. Immerhin, für Montag war der “Beluga II – Open Day” geplant, der schon in den Medien und im Internet angekündigt wurde.
Der Sonntag war den Vorbereitungen für den „Open Day“ vorbehalten, der vom St. Petersburger Büro und deren ehrenamtlichen Helfern organisiert und abgehalten werden wird. Die Schiffscrew ging den Helfern zur Hand, wo es ging und wurde dort eingebunden, wo Fachkompetenz in Sachen BELUGA II gefragt war. Nach Einbruch der Dunkelheit erfreute uns die hell erleuchtete “Leutnant-Schmidt-Brücke” über die Neva – benannt nach einem historischen “Rädelsführer” des Sewastopoler Aufstands .
Für mich gibt es nun andere Aufgaben. Vasilij, der Aktionskoordinator und ich haben uns auf die erste Beprobungsaktion dieser Fahrt vorzubereiten. Es geht hier um einen Taucheinsatz, in dessen Verlauf insgesamt zwei Einleitungen beprobt werden sollen. Während unsere Kollegen den Open Day durchziehen, begeben wir uns per Schlauchboot auf eine Erkundungsfahrt zu den beiden Tauchplätzen.
Allein die Anfahrt vom Lager der St. Petersburger Aktionscrew bis zum ersten Tauchplatz im Finnischen Meerbusen – nahe an der Hafeneinfahrt – dauert rund zwei Stunden. An dieser Stelle haben die Kollegen vor etwa einem Jahr die Position eines großen Strudels aufgenommen, der die Einleitungsstelle des größten und modernsten St. Petersburger Stadtklärwerkes anzeigt.
Als wir an der Position sind, können wir allerdings keinen Strudel ausmachen – möglicherweise wird gerade wenig eingeleitet. Die Wassertiefe beträgt hier zwischen 4 und 5 Metern, Strömung gibt es nicht, die Sicht scheint mäßig zu sein. Fazit: Ein Tauchgang an dieser Stelle scheint problemlos möglich zu sein.
Ganz anders sieht es an der zweiten Position im Mündungsbereich der Neva aus. Bezeichnenderweise treffen wir hier auf einen Angler, der mit seinem Schlauchboot in unmittelbarer Nähe eines der Strudel sein Petri Heil sucht.
Insgesamt sind hier fünf einzelne starke Strömungsmuster zu erkennen, die auf nach oben gerichtete Rohrmündungen mit relativ großem Durchmesser hinweisen. Hinzu kommt noch die meerwärtige Flussströmung und die naturgegebene schlechte Sicht in Flüssen mit hohem Schwebstoffgehalt – das wird kein leichtes Unterfangen…
Der Terminplan für den nächsten Tag ist auch schon komplett. Der Trockentauchanzug, den wir für Vasiliy aus unserem deutschen Fundus mitgebracht haben, hat sich als zu klein für den russischen Bären erwiesen. Da wir aber einen Sicherungstaucher brauchen, wenn die Wellen über mir zusammenschlagen, müssen wir uns aufmachen, einen Anzug in St. Petersburg aufzutreiben. Erfolg haben wir erst, nachdem wir drei Tauchbasen abgeklappert haben: Wir können die passende Ausrüstung anmieten – alles wird gut …



















