Regenwald und Rinderwirtschaft – drei Schlachthauskonzerne auf dem Weg die Entwaldung des Regenwaldes zu beenden

02. April 2014

Rinder im Regenwald.

Dienstag haben die führenden drei Rindfleischkonzerne JBS, Marfrig und Minerva jeweils ein Audit ihrer internen Kontrollsysteme über den Kauf von Rindern aus dem Gebiet des Amazonas Regenwaldes veröffentlicht. Ein weiterer wichtiger Schritt zur Beendigung der Entwaldung des Regenwaldes. Im letzten Jahr haben meine brasilianischen Kolleginnen sich mit den Unternehmen über gemeinsame Kriterien für diese Überprüfungen durch unabhängige Dritte geeinigt.

Erstmals haben sie nun die externe Überprüfung ihrer Maßnahmen veröffentlicht, die das Ziel haben zukünftig nicht mehr mit der Zerstörung von Regenwald in Verbindung gebracht zu werden. Unabhängige Prüffirmen (DNV und BDO) haben nun die Beschaffungssystematik der drei Schlachthausbetreiber daraufhin überprüft, ob die Unternehmen die Vereinbarungen des sogenannten Rinderabkommens aus dem Jahre 2009 erfüllen können. Im Oktober 2009 hatten sich die drei Schlachthauskonzerne verpflichtet keine Rinder mehr von Farmen zu kaufen, die in Regenwaldzerstörung am Amazonas verwickelt sind, illegal in geschützte Gebiete indigener Völker eindringen oder Arbeiter in sklavenähnlichen Umständen beschäftigen.

Die jetzt veröffentlichten Audits sind ein wichtiger Teil dieses Prozesses, denn sie können bewerten inwieweit die Systeme der Unternehmen greifen, wenn ein Rinderfarmer sich nicht an die Vereinbarungen hält. Die drei Firmen machen mit den Audits einen wichtigen Schritt voran, um endgültig Rinder aus ihrer eigenen Lieferkette auszuschließen, für deren Weiden nach wie vor den Regenwald neu gerodet wird.

Man muss wissen von wo genau die Rinder kommen

Abgeholztes Gebiet in Amazonien.

Nur mit dem Wissen darüber was man wo kauft, und der internen Kontrolle darüber,  dass Änderungen der Lieferanten auch verlässlich umgesetzt werden können, kann letztendlich garantiert werden, nicht mehr von Farmern zu kaufen, die weiterhin den Regenwald roden und damit zur fortschreitenden Regenwaldzerstörung beitragen. Denn nach wie vor ist die Rinderwirtschaft im Gebiet des Amazonas eine der Hauptursachen für die Regenwaldzerstörung. Mit der Implementierung von Maßnahmen auf der Ebene der Einkaufskontrolle nehmen die Schlachthäuser die Verantwortung an und machen einen wichtigen Schritt dahin, keine Rinder mehr von solchen Farmern zu kaufen.

Die veröffentlichten Audit-Reports basieren auf gleichen Kriterien und den Prüffirmen wurde umfänglicher Zugang zu den Unterlagen zur Einkaufssystematik gewährt. Die Kriterien zum Audit sahen eine hohe Stichprobe vor und erlauben nun einen Vergleich der Umsetzung der Maßnahmen der drei Rindfleischkonzerne. Gemäß den Prüffirmen haben die drei Unternehmen effektive Systeme etabliert, um jene Farmer aus der Lieferkette auszuschließen, die die Kriterien des sogenannten Rinderabkommens nicht einhalten, wie etwa die weitere Rodung des Regenwaldes für neue Rinderweiden (ab dem Stichtag Oktober 2009). In über 99 Prozent der Fälle wurde von Farmern gekauft, die nicht mehr in Regenwaldzerstörung involviert sind.

Die Registrierung des Farmlandes ist maßgeblich zur Kontrolle

Einer der Gründe dafür, dass die interne Kontrolle so effektiv ist, liegt daran, dass die meisten ihrer Lieferanten ihre Farmen mittels GPS kartiert haben. Dies ermöglicht es den Schlachthausfirmen die Fläche des Farmlandes mit Satellitenkarten zu vergleichen, die Aufschluss über starke Regenwaldzerstörung geben. Solche Karten werden auch von Greenpeace verwendet und angefertigt.

Per Gesetz sind alle Farmer verpflichtet, ihre Farm in einem System zur ländlichen Umwelt Registrierung (CAR) zu registrieren. Doch weil die Regierung die Umsetzung dieses Gesetzes verschleppt, haben die Schlachthausbetreiber nun selber sich um die Kartierung ihrer Lieferanten kümmern müssen.

Die Registrierung des Farmlandes ist ein sehr wichtiger Baustein, um die Regenwaldzerstörung überhaupt bekämpfen zu können. Denn die staatlichen Stellen wissen heute meist gar nicht wer auf welchem Land Rinder weiden lässt. Nur eine Eintragung des Farmlandes in einem Land-Kataster kann dies leisten. Hierzu muss das Nationale System zur ländlichen Umwelt Registrierung (CAR) in Brasilien schnellstens umgesetzt werden.

Für Rinderfarm zerstörtes Urwaldgebiet.

Und zwar ohne Schlupflöcher, wie sie gerade vom Agrarministerium und großen Farmern gefordert werden. Ziel ist es die Farmen in voller Größe zu kartieren und einzutragen. Das Waldgesetz in Brasilien legt den Farmern die Verpflichtung auf, die seit 2008 illegal gefällten Regenwälder wieder aufzuforsten. Für kleine Farmer unter 400 Hektar soll es Sonderregeln geben, die Wiederaufforstung muss nicht erfolgen. Die großen Farmer haben nun die Idee, ihre oftmals 100.000 Hektar große Farm in hunderte kleine zu zerstückeln, die natürlich unter 400 Hektar sind, um auch in den Genuss der Regel für Kleinfarmer zu kommen.

Sollte dies passieren, geht die Urwaldzerstörung munter weiter. Deswegen muss die Registrierung der Farmen unter dem System der ländlichen Umweltregistrierung (CAR) schnellstens umgesetzt werden. Denn die Verschleppung der Umsetzung hat negative Folgen für all jene Unternehmen, die sich entschlossen haben keine Rinder mehr Farmen zu kaufen, die den Wald weiter roden.

Daher ist der Schritt der drei Rindfleischkonzerne zu begrüßen, vor allem da bisher keiner der anderen Wettbewerber ähnliche Schritte unternimmt. Dies gilt es dringend zu ändern. Es ist völlig unakzeptabel, dass es noch immer Rinderfirmen oder Supermärkte gibt, die Rinder aus dem Gebiet des Regenwaldes kaufen,  ohne spezielle Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, nicht mit Regenwaldzerstörung, Sklaverei oder der illegalen Aneignung von Land im Gebiet von indigenen Völkern in Verbindung gebracht zu werden.

Vor über vier Jahren hatten meine Kollegen und ich darauf hingewiesen, dass für die Produktion von Rindfleisch und Leder der Amazonasurwald massiv gerodet wird. Wir veröffentlichten einen umfassenden Report “Slaughtering the Amazon”, der aufdeckte, wie brasilianische Rinderfirmen in Regenwaldzerstörung und dem illegalen Eindringen in das geschützte Land der Ureinwohner verwickelt sind. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass Rinder von Farmern gekauft werden, die sklavenähnliche Zustände der Arbeiter auf den Farmen akzeptieren.

Blick über noch unzerstörten Regenwald in Serra de Araca/Brasilien.

Nach der Veröffentlichung dieses Reportes kontaktierten wir weltweit jene Firmen, die das Fleisch oder das Leder der großen Schlachthausunternehmen kaufen und verarbeiten. Etwa Schuhhersteller wie Adidas, Clarks, Nike oder Timberland. Aber auch Supermarktketten wie Wal Mart oder Tengelmann und Fleischwarenhersteller. Diese Käufer, in Brasilien und weltweit, reagierten und fragten bei Ihren Lieferanten nach. Im Ergebnis verpflichteten sich im Oktober 2009 die größten brasilianischen Schlachthausunternehmen JBS, Marfrig und Minerva zum sogenannten Rindermoratorium.

Dieser lange Zeitraum, von nunmehr über fünf Jahren, zeigt, dass es ein langer Weg ist, bis die Rindfleischwirtschaft sich wirklich von Regenwaldzerstörung gelöst hat. Ich freue mich daher darüber, dass mit dengestern veröffentlichten Audits ein weiterer wichtiger Schritt gegangen wurde.

GreenBites #45: Gold, Widerstand und Morddrohungen

27. März 2014

“Die Goldgier der anderen hat mich erst in den Widerstand und dann nach Hamburg gebracht!” Isabel Gamez erzählt im Podcast, warum sie mit ihrem Sohn zusammen aus El Salvador an die Elbe geflüchtet ist.

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Auf Kosten der Wälder: Warum bleibt illegaler Holzhandel ungeahndet?

22. März 2014

Ein Raum vollgestopft mit Holzstückchen bis an die Decke. Um mich herum ein Stück von allen Bäumen der Welt. Ich bin zu Besuch beim „Thünen Institut für Holzforschung“ in Hamburg, in der sogenannten Xylothek, wie eine solche wissenschaftliche Sammlung genannt wird. Hier lagern 37.500 Muster von verschiedenen Bäumen.  Wunderschön sind die mikroskopischen Bilder von Holzzellstrukturen, anhand derer man die Arten identifizieren kann. Seit letztem Jahr ist das Thünen-Kompetenzzentrum Holzherkünfte verstärkt zu einer Art Gerichtsmedizin im Kampf gegen den illegalen Holzhandel geworden. Die Mitarbeiter analysieren beispielsweise Proben und klären, ob es sich um geschützte Holzarten handelt und/oder das Produkt falsch deklariert wurde.

Hintergrund: Eigentlich soll die neue EU-Holzverordnung EUTR dem illegalen Holzhandel die Stirn bieten. Das ist gut, denn der illegale Holzhandel gefährdet unsere letzten intakten Regenwälder und führt zu weitreichenden ökologischen und sozialen Schäden in den Ursprungsländern. Die EU-Verordnung ist seit Anfang März 2013 in Kraft und jedes EU-Land hat bis März 2015 Zeit, ein Gesetz zu verabschieden und verantwortliche Kompetenzen aufzubauen. In Deutschland ist seit dem 08.05.2013 das aus Greenpeace-Sicht zu schwache Holzhandel-Sicherungs-Gesetz (HolzSiG) in Kraft. Die Verantwortung wurde der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) zugeteilt. Verantwortlicher Minister ist damit Christian Schmidt (CSU) im Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL).

Ein Jahr EU-Holzhandelsverordnung

Doch zurück zum Thünen-Institut: Grund für meinen Besuch war ein Workshop am 18. und 19. März anlässlich des einjährigen Bestehen der EU-Holzverordnung. Ziel war, die Umsetzung in Deutschland mit beteiligten Akteuren aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und NGOs wie Greenpeace zu evaluieren. Wir hatten zum Jahrestag bereits aus Greenpeace-Sicht Bilanz gezogen. Hauptsächlich ging es dabei um die Frage, wie Firmen, die Holzprodukte als Erstinverkehrbringer auf dem EU-Binnenmarkt platzieren, geholfen werden kann, sich an die neue Gesetzgebung anzupassen. Diese fordert nun nämlich von ihnen, sich für die Herkunft und die Handelskette ihrer Holzwaren verantwortlich zu zeigen. Hierbei muss eine Firma die legale Herkunft und die legale Handelskette eines Produktes nachweisen können. Das deutsche HolzSiG kann also Firmen dafür haftbar machen, wo, über welche Wege und vor allem wie sie ihre Holzprodukte beschaffen. Das ist grundsätzlich sehr zu begrüßen! Denn die rechtskräftige Umsetzung verläuft bisher stockend und ist je nach EU-Mitgliedsstaat auf einem anderen Stand. Vor allem die Auslegung von Strafmaßnahmen wird noch unterschiedlich gehandhabt. So ist das Strafmaß in der deutschen Umsetzung der EU-Holzverordnung meiner Meinung nach zu schwach: Es reicht derzeit kaum für eine Ordnungswidrigkeit – dass ein Fall als Straftat ermittelt wird, ist unter dem HolzSiG bisher kaum denkbar!

Illegaler Holzeinschlag in der DR Kongo - in nur knapp 10 Minuten ist der Baum gefällt. Noch ist die Gesetzgebung nicht stark genug, um illegales Holz vom europäischen Markt fernzuhalten.

Illegaler Holzeinschlag in der DR Kongo - in nur knapp 10 Minuten ist der Baum gefällt. Noch ist die Gesetzgebung nicht stark genug, um illegales Holz vom europäischen Markt fernzuhalten.

Seit dem Inkrafttreten hat Greenpeace sowohl der zuständigen Behörde in Deutschland (BLE) als auch in anderen EU-Ländern Indizien zu illegalem Holzhandel geliefert. Wir haben immer wieder auf die prekäre Situation in den Ursprungsländern hingewiesen. Durch unsere Hilfe wurden zum Beispiel drei Präzedenzfälle aufgedeckt, bei denen deutsche Firmen illegal geschlagene Wengé-Stämme aus der Demokratischen Republik Kongo in die EU importierten.  Bei zwei Firmen handelte es sich um Stämme, die in Deutschland lagerten, bei der Dritten fanden wir sie in einem Sägewerk der Firma Danzer in Tschechien. Die ganze Geschichte hat meine Kollegin Andrea Cederquist hier im Blog begleitet. Keiner dieser Fälle wurde auch nur als Ordnungswidrigkeit behandelt! Die von dem Furnierhandel Winsen aus dem Kongo importieren Stämme in Tschechien wurden bis heute nicht beschlagnahmt, obwohl wir die zuständigen Behörden in beiden Ländern wiederholt darauf hingewiesen haben! Zudem haben die deutschen Behörden die rückwirkende Annullierung des Kaufvertrages des Furnierhandels Winsen mit dem Verkäufer Bakri Bois Corporation (BAM) von illegalen Hölzern einfach billigend zur Kenntnis genommen. So gehört die illegale Ware also wieder dem Dealer und der Käufer ist fein raus? Ist das deutsche Gesetzbarkeit? Kürzlich haben auch meine Kollegen in unserem Nachbarland Frankreich wieder einen neuen Fall aufgedeckt.  Ob der Händler unter der französischen Gesetzgebung bestraft wird ist fraglich…

Illegaler Holzhandel: Unwissenheit darf nicht vor Strafe schützen!

Wenn ein Gesetz als rechtskräftiges Gesetz verabschiedet ist, sollte es doch wohl rechtskräftig sein! Dies scheint bei der Umsetzung des deutschen Holzhandelssicherungsgesetzes nicht der Fall zu sein. Vielmehr scheint sich ein dynamischer Entstehungsprozess zu entwickeln, bei dem der Gesetzgeber (BMELV) der betroffenen Branche, die lange Jahre teils wissentlich mit illegalem Holz gehandelt hat, helfen will, sich an die neuen Regelungen anzupassen.  Wir vergessen dabei zwei Dinge. Illegales Holz sollte schon lange nicht mehr marktfähig sein! Und Unwissenheit sollte nicht vor Strafe schützen! Greenpeace wird weiter daran arbeiten Fälle von illegalem Holzhandel aufzudecken und die bisher schwache Gesetzesvollstreckung durch investigative Recherchen zu testen!

Video: Aktivisten von Greenpeace Frankreich protestieren gegen Handel mit illegalem Holz