Waldcamp im Spessart: Die erste Woche ist geschafft!

09. Februar 2012

Die erste Woche im Waldcamp ist vorüber. Seit letztem Donnerstag zelten Greenpeace-Aktivisten im Waldcamp im Spessart – um die wertvollen Bäume dort vor profitorientiertem Einschlag zu schützen (zur Blogreihe). Die Ehrenamtlichen dokumentieren den Bestand vor Ort, da die bayerische Landesregierung Informationen über öffentliche Waldflächen zurückhält. Wo genau welche alten Bäume stehen, kartieren sie deshalb auf eigene Faust Tag für Tag mit GPS-Geräten.

Die Wälder des Spessarts erstrecken sich auf über 200.000 Hektar und zwei Bundesländer, Bayern und Hessen. Hier findet man noch Wälder, die ansonsten in Deutschland selten geworden sind. Das Gebiet des sogenannten Heisterblocks etwa: Es liegt im Zentrum des bayerischen Spessarts und zählt mit seinen über 400-jährigen Eichen und etwa 180-jährigen Buchen zu den ältesten und schönsten größeren Wäldern Mitteleuropas.

Und so verwundert es nicht, dass die Aktivisten auch heute großartige Exemplare alter Bäume im Wald gefunden haben: 140 Zentimeter Durchmesser maß der dickste Baum und allein am heutigen Tag wurden insgesamt 631 Bäume erfasst. Die Aktivisten haben jetzt Routine entwickelt und gewöhnen sich immer besser an die Kälte. Trotzdem ist das Thema am Abend: Duschen! Im Camp gibt es nur kaltes Wasser und keine Möglichkeit zu duschen. Morgen Abend fahren deswegen alle gemeinsam ins Schwimmbad. Später, bei der allabendlichen Besprechungsrunde, wartet eine Überraschung auf die Ehrenamtlichen. Michael Kunkel ist Ortsvorsitzender der Ortsgruppe Heigenbrücken vom Bund Naturschutz in Bayern e. V. (BN) und oft Abends zu Gast im Camp. Er erzählt, ein Ehepaar aus dem Ort habe den Campbewohnern angeboten, ihre Dusche zu nutzen. Bei der Aussicht auf regelmäßiges Duschen herrscht natürlich große Freude.

Besonders freute uns ein Kommentar eines Spessarters, der zu unserer Blogreihe geschrieben hat und den ich den Aktivisten vorlese: “Über Sinn und Unsinn der Greenpeace Aktion kann man an dieser Stelle nicht streiten. Alleine wenn man die obige Diskussion sieht, hat Greenpeace wieder mal das Richtige getan, nämlich die Aufmerksamkeit auf Probleme gelenkt.” Die Meinungen der Bürger hier in Heigenbrücken schließen sich dieser Aussage an. Das hat nicht nur der Informationsabend gezeigt, auch die Gespräche im Dorf geben uns positives Feedback. „Wenn sich sogar schon Greenpeace der Sache annimmt, dann muss es ein richtiges Problem sein! Die kommen nicht wegen ein paar Bäumen in irgendeinem Dorf,“ erzählt uns ein Bewohner aus Heigenbrücken.

Auch die Reaktionen im Sozialen Netzwerk Facebook sprechen eine deutliche Sprache:

Screenshot Facebook

Screenshot Facebook

Die Kraft, weiterzumachen, ziehen die Aktivisten vor allem aus diesen Reaktionen, deswegen geben wir heute ein herzliches Dankeschön an alle zurück, die uns unterstützen!

Die Arbeit im Wald geht weiter. Tägliche Berichte aus unserem Waldcamp könnt ihr in unserer Blogreihe lesen. Und wer sich in der Nähe von Heigenbrücken aufhält, darf auch gerne mal vorbeischauen!

Die Arbeit im Wald geht weiter. Tägliche Berichte aus unserem Waldcamp könnt ihr in unserer Blogreihe lesen. Und wer sich in der Nähe von Heigenbrücken aufhält, darf auch gerne mal vorbeischauen. Ihr könnt auch selbst einen Beitrag dazu leisten, den Wald zu schützen und bei unserer Protestmailaktion mitmachen!

Waldcamp im Spessart: Unser Team50plus auf Tour

08. Februar 2012

Neben den Bäume im Spessart - (c) Lauritz Bahnemann / GreenpeaceAktivisten, die in den Wäldern im Spessart die Bäume kartieren, findet auch Aufklärungsarbeit vor Ort statt. Täglich ziehen dafür Ehrenamtliche aus dem Team50plus durch die Dörfer. In den Team50plus arbeiten Handwerker, Hausfrauen oder Naturwissenschaftlerinnen. Einige sind noch berufstätig, andere befinden sich schon im Ruhestand, wollen sich aber längst noch nicht zur Ruhe setzen.

Und so haben sie sich entschlossen, trotz des eisigen Wetters Infostände zu betreuen und Fragen der Bürger zu beantworten. Sie erklären, warum Greenpeace einen Einschlagstopp für alte Buchenwälder fordert, was die Aktivisten vor Ort im Wald machen und natürlich auch, wie das Leben im Camp abläuft.

Peter Wagemann vom Niederrhein ist einer von ihnen und berichtet uns von seinen Erlebnissen:

“Das wird ein Bericht, der aus der Kälte kommt. Zwei Dutzend Greenpeace Aktivisten haben in der Nähe von Heigenbrücken ein Waldcamp aufgeschlagen, um von dort tagsüber in die Spessartwälder auszuströmen. Dort werden dann mit Hilfe von Satellitentechnik alte Waldbestände dokumentiert. Während die Waldaktivisten bei eisiger Kälte bis zu minus 19 Grad die Bäume vermessen und nachts in Zelten schlafen, sind wir vom Team50plus dabei, die Bevölkerung über unsere Aktivitäten und die Buchenwaldproblematik zu informieren. Mit Hilfe des Info-Mobils, einem umgebauten Transporter mit großem Monitor und Lautsprechern, wird in den Spessartdörfern für unsere Infoveranstaltungen an verschiedenen Sonntagen geworben. Durch die gute Pressearbeit in Form von verschiedenen Artikel in der örtlichen Presse sowie der Pressekonferenz zum Start des Camps in München Anfang Februar waren viele Menschen vorab informiert. So rannten wir oft mit unseren Broschüren und Flyern offene Türen ein.

Viele Leute standen der Arbeit der Greenpeace-Aktivisten vor Ort positiv bis bewundernd gegenüber. Kein Bäcker, Apotheker, Kioskbesitzer, Gastwirt oder Blumenhändler in den vielen kleinen Dörfern verweigerte das Anbringen unserer Plakate. Nur eine Drogeriekette, die mit vielen Filialen in den Dörfern vertreten ist, war nicht zur Zusammenarbeit bereit. Viele Waldarbeiter der Bayerischen Staatsforsten, die immer wieder an unseren Stand kamen, um sich zu informieren, waren unseren Argumenten aufgeschlossen, einige von ihnen “outeten” sich sogar als Greenpeaceförderer.”

Abends berichten mir die Ehrenamtlichen noch begeistert, dass sie heute am Infostand einen Mann aus Lohr zu Besuch hatten, der dort einen Eine-Welt-Laden führt. Nach einem netten Gespräch verabschiedete er sich – und kam dann kurze Zeit später mit Keksen für die Greenpeacer zurück.

Diese und viele andere Gegebenheiten zeigen uns immer wieder, dass wir mit unserer Forderung, zehn Prozent des öffentlichen Waldes zu schützen, auf großen Anklang stoßen.

Die Arbeit im Wald geht weiter. Tägliche Berichte aus unserem Waldcamp könnt ihr in unserer Blogreihe lesen. Und wer sich in der Nähe von Heigenbrücken aufhält, darf auch gerne mal vorbeischauen. Ihr könnt auch selbst einen Beitrag  dazu leisten, den Wald zu schützen und bei unserer Protestmailaktion mitmachen!

Wälder werden jünger – das ist nicht gut

07. Februar 2012

Was ich hier im Spessart jeden Tag sehe, ist mir in vielen Regionen Deutschlands aufgefallen. Der öffentliche Wald wird nicht mehr als Ökosystem mit Gemeinwohlfuktion für unsere Gesellschaft gesehen, sondern ausschließlich als Rohstoffquelle.

Holzstämme im Bayerischen Wald - © Markus Mauthe/Greenpeace

Holzstämme im Bayerischen Wald - © Markus Mauthe/Greenpeace

Viele – auch öffentliche Betriebe – entscheiden nach den Kriterien des Marktes bzw. der Nachfrage darüber, was an Holz entnommen wird. Das Wissen, wie die wertvollen Ressourcen genutzt und der Wald gleichzeitig erhalten werden kann, spielt dabei keine Rolle. Dabei gibt es auch vorbildliche Betriebe wie zum Beispiel in Lübeck und Göttingen, die so wirtschaften, dass sie Ökologie und Gemeinwohl Vorrang geben.

Und die Folgen der intensiven Holznutzung kann ich überall mit bloßem Auge sehen: Die Wälder werden jünger, lichter und werden befahren wie ein Parkplatz von IKEA. Mittlerweile wird bis zu einem Fünftel der Waldfläche von riesigen Maschinen befahren.

Während uns die Bevölkerung im Spessart erzählt, dass auch sie mit Sorge sehen, was seit Gründung der BaySF in ihren Wäldern passiert, reagieren die Forstverbände auf die Forderung nach einem Einschlagstopp in über 140 jährigen Buchenbeständen, als würde das das Ende der Forstwirtschaft bedeuten. Immer wieder wird auch behauptet, das Ende der Holzrechtler im Spessart oder anderswo würde beginnen. Das Gegenteil ist der Fall.

Die traditionellen Holzrechte im Spessart sind etwas sehr seltenes in Deutschland und historisch bedingt. Das Recht, nur für den eigenen Bedarf Holz im Wald zu machen und dabei immer das Gemeinwohl im Blick zu behalten, ist auch international etwas sinnvolles. Was unter dem Stichwort ‚commons’ diskutiert wird, geht von der gemeinschaftlichen Verwaltung von Naturgütern bis hin zu globalen Interessen wie dem Erhalt der Biodiversität.

Die Holzrechte im Spessart wurden Ende der 80er Jahre in einer Vereinbarung mit der Bayerischen Staatsforstverwaltung so geregelt, dass jedem Spessarter das Recht auf bestimmte Hiebe zusteht. Das findet große Akzeptanz bei den Bürgern. Auch Greenpeace betont immer wieder, dass die Holzrechte etwas einmaliges sind und weiterhin in vollem Umfang bedient werden sollten.

Die Forderung von Greenpeace, Naturschutzbund und Bund Naturschutz auf Einschlagstopp beziehen sich nur auf zwei bis drei Prozent der Wälder in Deutschland, nämlich in den alten Buchen- und Laubholzbeständen, die noch übrig geblieben sind. Und das bezieht sich nur auf den öffentlichen Wald und ist somit noch einmal weniger.

In Bayern sind nach Aussage des Vorstands der BaySF etwa ein Prozent Buchenwälder über 180 Jahre und etwa weitere vier Prozent über 140 Jahre. Insgesamt könnten also 95 Prozent weiterhin für Brennholz und andere Verwertungen genutzt werden. Im Forstamt Rothenbuch, das einen überdurchschnittlichen Anteil von alten Waldbeständen ausmacht, sind acht Prozent über 180 Jahre und etwa 20 Prozent über 140 Jahre. Das bedeutet für dieses Forstamt weiterhin Nutzung auf 72 Prozent der Waldfläche. Im Forstamt Heigenbücken und Hammelburg sind es sogar noch mehr, die weiterhin genutzt werden könnten. Je schneller dann der Vorstandsvorsitzende der BaySF zehn Prozent des Bürgerwalds schützt, desto schneller kann das Moratorium wieder aufgehoben werden.

Der Spessart ist eben international nicht nur wegen seiner Buchenwälder eine einzigartige Region, sondern auch wegen seiner Holzrechtler.

Welche Auswirkungen die massive Intensivierung der Holznutzung in den letzten zwanzig und vor allem zehn Jahren hatte, wird morgen im Bundestag diskutiert. Dort soll im Ausschuss für Forsten die sogenannte Waldstrategie 2020 aus dem Hause von Forstministerin Ilse Aigner mit Experten und Expertinnen diskutiert werden.

Greenpeace lehnt die Waldstrategie ab und wird eine Stellungnahme einreichen, denn diese Strategie würde unseren Wäldern massiv schaden. Sie unterminiert die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt, die Deutschlands internationale Verpflichtungen für den Wald mit klaren Zielen herunterbricht. Hier geht es um die Vorsorge, Wälder zu erhalten, die auch die öffentliche Hand in ihrem Pflichtenheft stehen hat. Nur wenige Landesforst- und kommunale Verwaltungen setzen das noch um. Ein schlechtes Beispiel sehe ich ja hier im bayerischen Spessart im Bereich der Bayerischen Staatsforsten.

Welche Auswirkungen die Strategie der bayerischen Bundesministerin Aigner für unser Klima hat, werden wir morgen präsentieren. Jetzt fahre ich nach Berlin!

Die Arbeit im Wald geht weiter. Tägliche Berichte aus unserem Waldcamp könnt ihr in unserer Blogreihe lesen. Und wer sich in der Nähe von Heigenbrücken aufhält, darf auch gerne mal vorbeischauen! Wie es im Camp aussieht, zeigt euch Waldexpertin Gesche Jürgens im Video: