Nach dem Erfolg unserer VW-Kampagne wollte ich von meinem Kollegen Wolfgang Lohbeck
wissen, wie er den Erfolg und die weiteren Aussichten einschätzt.
Wie ist der Erfolg mit VW zustande gekommen und wie ist der Erfolg aus deiner Sicht zu bewerten?
Der Erfolg kam nach zwei Jahren teilweise sehr konfrontativer Kampagnenarbeit. VW zeichnet von sich selbst ja bekanntlich das Bild des ökologischen Musterkonzerns. Da passte es überhaupt nicht ins Bild, dass wir herausgestellt hatten, wie weit VW hinter seinem eigenen Anspruch zurückblieb. VW wollte die zukünftigen Grenzwerte ebenso aufweichen wie auch die anderen Hersteller. Seine fortschrittliche Spartechnik gab es nur gegen Aufpreis. Beides hat VW nun geändert.
Ganz besonders wichtig am Einlenken von VW ist, dass damit auch die anderen Hersteller zusätzlich unter Druck stehen, schärfere Grenzwerte zu akzeptieren.
Was erhofft sich Greenpeace für eine Wirkung auf die Politik?
Wenn ein so großes und eine ganze Branche dominierendes Unternehmen wie VW klar macht, dass es problemlos schärfere Grenzwerte einhalten kann, muss die Politik handeln. Die Politik versteht sich leider allzuoft als Erfüllungsgehilfe von Industrieinteressen. Sie vertritt derzeit immer noch, dass die jetzt angekündigten Grenzwerte der EU abgeschwächt werden sollen. Das ist aber nicht mehr im Interesse der gesamten Branche, der größte Hersteller ist sehr viel fortschrittlicher als der Bundesumweltminister und der muss sich jetzt bewegen.
Warum gibt es überhaupt Schlupflöcher, mit denen Unternehmen die CO2-Emissionen von Neuwagen frisieren können?
Das ist das Ergebnis einer ausgeklügelten Strategie der Autohersteller, vor allem der “Premium”- Hersteller. Die EU hatte 95 Gramm CO2-Emissionen pro Kilometer festgelegt, das entspricht etwa 3,9 Liter Verbrauch auf Hundert Kilometer. Die Hersteller wollten aber in der Öffentlichkeit nicht als Blockierer einer Regelung dastehen, die durchaus populär ist: Emissionen und Verbrauch sollen runter. Sie fürchteten einen Imageschaden.
Stattdessen haben sie sich auf die Strategie verlegt so zu tun, als ob sie die neuen Grenzwerte “akzeptieren”. De facto versuchen sie aber bis heute, mit Ausnahme von VW, diesen Wert zu unterlaufen. Sie stellen sich vor, dass jedes verkaufte sparsame Auto als mehrfach verkauft gelten soll. Mit dem Ergebnis, dass alle anderen Modelle entsprechend mehr CO2 emittieren dürfen. Ein vollkommen aus der Luft gegriffener willkürlicher Rechentrick, der aber die CO2- Bilanz schönt.
Wie geht es nach dem Erfolg weiter? Werden sich andere Autokonzerne nun auch stärker für Klimaschutz einsetzen?
Jetzt ist vor allem die Politik gefragt. Denn der größte Hersteller hat gezeigt, dass die Positionen, die derzeit noch von der Bundesregierung vertreten werden, rückständig und nicht mehr zeitgemäß sind. Wir versuchen den Bundesumweltminister dazu zu bewegen, dass er in Brüssel nicht Grenzwerte fordert, die weit hinter dem zurückbleiben was der größte Hersteller bereits angekündigt hat. Und natürlich setzt das auch andere Hersteller, wie etwa Daimler und BMW, unter Druck.
Danke Wolfgang und was wünscht du dir von den Leserinnen und Lesern?
Bitte machen Sie mit bei der Aktion “Europa gegen CO2“ mit. Sie richtet sich an die verantwortlichen Politiker und Politikerinnen in Brüssel.












