Späte und spärliche Informationen, die Lage ist immer noch nicht im Griff – Shell bekommt weder den aktuellen Ölunfall in der Nordsee in den Griff, noch informieren sie die Bevölkerung angemessen. Und es kommt noch besser: Der Konzern plant im nächsten Jahr Testbohrungen in der Arktis – dort einen Ölunfall zu händeln ist annähernd unmöglich. Wenn Shell in der angeblich so sicheren Nordsee die Lage nicht in den Griff bekommt, dann gibt es keinen Grund anzunehmen, dass sie in der eiskalten Beafourtsee zurechtkommen werden. Doch Shell lässt von seinen Plänen, in den arktischen Gewässern zu bohren, nicht ab.
Wie der Zufall es will, gibt es heute die Gelegenheit, Shell auf den Zahn zu fühlen – bei einer Online-Fragerunde die daheißt: ‘Verantwortungsvolle und sichere Entwickelung der arktischen Ressourcen’. Heute, am 18. August gegen 17 Uhr startet der Chat – vorher muss man sich anmelden, aber jeder Interessierte ist eingeladen, dies zu tun.
Ob aktiv mitchatten oder nur die Diskussion verfolgen – es wird sicher spannend. Hier geht es zur Anmeldung zum Chat – man muss allerdings Shell seine Emailadresse angeben. Das ist eine gute Gelegenheit, Shell einmal direkt zu fragen, wie sie in dem kalten Norden zurechtkommen werden – und einiges andere.
Was wir gerne von Shell wissen würden:
- BP benötigte 6.500 Schiffe und 50.000 Leute, um das ausströmende Öl im Golf von Mexiko zu stoppen und es kostete sie über £20 Milliarden. Angesichts der Tatsache, dass ein Ölteppich in der Arktis viel schwieriger zu entfernen wäre – verfügt Shell denn überhaupt über die erforderlichen Ressourcen vor Ort, um einen ähnlichen Unfall in der Arktis zu händeln?
- Shell behauptet, ein funktionierendes, hochmodernes Notfallsystem in Alaska bereitzuhalten, um auf eine Ölkatastrophe zu reagieren. Kann denn Shell bestätigen, dass diese Pläne erfolgreich während der arktischen Sommer- und auch Wintermonate getestet wurden?
- Kanadische Aufsichtsbehörden haben befunden, dass eine Entlastungsbohrung in der Beaufortsee bis zu zwei Jahre dauern könnte – in den rauen Wintermonaten sind Bohrarbeiten nahezu unmöglich. Stimmt Shell mit dieser Einschätzung überein?
- Die amerikanische Küstenwache gab zu, dass ihre Kapazitäten, auf einen Ölunfall in der Arktis zu reagieren, äußerst beschränkt sind. Angesichts dieser Tatsache: Wie will Shell beweisen, dass sie die Herausforderung, unter arktischen Bedingungen zu bohren, überhaupt sicher meistern wollen?
- Shell wurde stark für seine Informationspolitik bei dem Umgang mit dem aktuellen Ölleck in der Nordsee kritisiert – erst Tage später gab Shell den Unfall bekannt und es dauerte nochmals einige Tage, bis der Konzern eine Angabe zur Menge des ausgeflossenen Öls machte. Warum sollte man Shell jetzt glauben, für einen Unfall in der Arktis gewappnet zu sein?
- Auch wenn die Schätzungen korrekt sind und in der Arktis wirklich ein Vorkommen von etwa 90 Milliarden Barrel Öl liegt – was würde das bedeuten? Mit dieser Menge könnte man den weltweiten Ölbedarf gerade einmal drei Jahre stillen. Ist dies das Risiko wert?
Wir werden versuchen diese Fragen an Shell zu stellen. Hoffentlich könnt ihr euch uns anschließen.
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Ben Ayliffe ist Ölexperte bei Greenpeace UK. Sein Blog findet sich in der Originalfassung in englisch hier. Diese Version wurde leicht angepasst und gekürzt.














