Apple-Logos für Kohle-Güterzug

04. Mai 2012

(c) Greenpeace - Apple-Logos für einen Duke-KohletransportEin paar Schienen im ländlichen North Carolina in den USA sind nicht gerade der Ort, bei dem man an iPads und iPhones denkt. Aber diese Schienen sind Teil des Netzes, das dich und mich mit der Außenwelt verbindet – und alle anderen, die über Facebook, Youtube oder die iCloud Fotos, Videos und Nachrichten miteinander teilen. Und diese Schienen verbinden uns mit der massiven Umweltzerstörung der Kohleindustrie. Deshalb haben wir diese Schienenstrecke in North Carolina ausgesucht, kurz vor dem Kohlekraftwerk Marshall des amerikanischen Energieversorgers Duke Energy. Hier, nur 19 Kilometer entfernt vom iCloud-Rechenzentrum von Apple, wollen wir eine Nachricht an Apple und Duke Energy schicken: nämlich dass die Energierevolution nicht warten kann.

Aktivisten von den umliegenden Gemeinden, die unter der Luftverschmutzung durch das Kohlekraftwerk und den Bergsprengungen zum Abbau der Kohle leiden, haben sich an die Schienen gekettet. Der Zug musste daraufhin kurz vor der Einfahrt ins Kraftwerksgelände anhalten. (Wir werden nicht weggehen, bis Duke Energy ein Ende der Sprengungen ankündigt).

Duke Energy propagiert ein Image eines progressiven Energieversorgers, aber die Realität sieht anders aus. Sie betreiben 20 Kohlekraftwerke in den USA, viele davon in North Carolina. Die Luftverschmutzung führt zu über 15.000 Asthma-Anfällen jedes Jahr und fast 1000 Todesfällen. Der Firma gehören auch einige der giftigsten und gefährlichsten Kohleasche-Deponien im Land, die die Wasserversorgung der umliegenden Gemeinden gefährden.

Und das vielleicht Schlimmste kommt noch: Viele der Kohlekraftwerke von Duke Energy verbrennen Kohle, die aus Bergsprengungen stammt. Bei diesem zerstörerischen Kohleabbau werden ganze Bergspitzen mithilfe von Dynamit weggesprengt und der Abfall in umliegende Täler gefüllt. Bislang sind über 500 Berge in den Appalachian Mountains in die Luft gesprengt wurden. Dabei sind mehr als 2000 Meilen von Flussoberläufen vergraben worden. Diese Bergsprengungen hat ganze Städte ausgelöscht und eine Unzahl von Menschen zwangsumgesiedelt. Die Luft und das Wasser wurden vergiftet für all jene, die nicht wegziehen wollten oder konnten.(c) Greenpeace - Aktivisten haben sich an die Schienen gekettet, um gegen dreckige Kohle zu protestieren

Diese Umweltzerstörung ist keineswegs nötig – Duke Energy hat die Macht, sich hier und heute von der Kohle aus Bergsprengungen zu verabschieden. Der Konzern kann sich jetzt auf Erneuerbare Energien konzentrieren und seinen Strom aus Wind- und Solarkraft produzieren. Von alleine werden sie es nicht machen. Aber wenn ein Gigant wie Apple als Kunde von Duke Energy sauberen Strom anstelle von dreckigem Kohlestrom fordert, dann wird Duke mit Sicherheit darauf reagieren.

Und damit könnte sich das Leben der umliegenden Gemeinden wirklich zum Besseren wenden. Unterstütze die Aktivisten an den Bahnschienen, indem Du Apple zu einer sauberen iCloud aufforderst – betrieben durch Erneuerbare Energien, nicht durch Kohle aus gesprengten Bergen.

Autor: Gabe Wisniewski
Übersetzung: Carolin Wahnbäck

Zum Blogbeitrag auf der Website von Greenpeace International

Wer findet die dickste Buche?

23. April 2012

Von Jonas Baumgartner, Greenpeace Jugend Nürnberg

Alte Buchen suchen: Das war unser Auftrag! Aber nicht für uns selber, sondern es war am Samstag unser Angebot an alle, die sich für mehr Umweltschutz engagieren wollen. Wir wollten möglichst viele mobilisieren, einen Ausflug in den Wald zu machen und eine möglichst dicke Buche zu suchen.

Ich hatte bisher noch keine größeren Erfahrungen mit Aktionen zum Waldschutz. Klar, Atomkraft kennt jeder, da ist es nicht schwer, eine Unterschriftenliste voll zu kriegen. Aber Waldschutz? In Deutschland? Keine Unterschriftenliste, sondern ein direkter Auftrag, aktiv etwas zu tun und ein Bild von sich im Internet hochzuladen? Im Plenum unserer Gruppe zuvor haben wir diskutiert, ob das überhaupt jemand macht. Diese Befürchtungen waren unbegründet, wie sich herausgestellt hat!

Die Familien waren begeistert von der Idee, mit ihren Kindern in den Wald zu gehen. Dass Buchen in Deutschland beheimatet sind und richtig dick werden, war vielen nur kaum bewusst. Dass diese dicken Riesen in Gefahr sind, fand keiner der Besucherinnen und Besucher am Stand gut. Mir ist aufgefallen, dass wir mit dem Schutz alter Buchenwälder ein Thema angesprochen haben, das alle angeht und für das jeder offen ist. Regenwaldschutz war jedem ein Begriff, nur sind wir unserer internationalen Verantwortung noch nicht nachgekommen. Selbst Passanten, bei denen ich zuerst gedacht habe, es lohnt sich nicht sie anzusprechen, waren dann zu meiner Überraschung doch fast alle motiviert, in den Wald loszuziehen.

Was mir selbst vor der Aktion schon klar war, ist vielen Passanten dadurch wieder in den Sinn gekommen: Ohne Bäume kommen wir nicht aus. Selbst notorische „Ich-geh-nicht-raus-aus-der-Stadt-Menschen“ wissen, wo ihr Sauerstoff zum Atmen herkommt. Und die meisten wissen auch, dass in den alten und großen Bäumen auch noch verdammt viele Tier und Pflanzenarten leben und so unser Ökosystem im Gleichgewicht bleibt.

Mir hat die Aktion super gefallen, ich bin auf sehr aufgeschlossene Menschen gestoßen und die Greenpeace Jugend Nürnberg will nicht nur selbst in den Wald fahren um Fotos zu machen – nein, wir wollen die Aktion nochmal wiederholen!

Und wer von euch auch bei dierser Aktion mitmachen will, findet alle Informationen auf unserer Mitmachcommunity Greenaction unter der Aktion “Alte Buchen retten”.



Die dunkle Schokoladenseite von VW

19. April 2012

Auf seiner Hauptversammlung im Hamburger Kongresszentrum (CCH) will sich Volkswagen heute von seiner Schokoladenseite präsentieren. Vor dem Gebäude haben sich am Morgen jedoch nicht nur Aktionäre eingefunden, sondern auch Aktivisten von Greenpeace, die allenfalls auf die Zartbitterschokoladenseite von VW aufmerksam machen. Flyer, die sie an die geladenen Gäste verteilen, führen etwas näher aus, was es mit VWs “dunkler Seite” auf sich hat:

Die pro Jahr in Europa verkauften VW-Autos stoßen während ihrer Lebenszeit mehr als 60 Millionen Tonnen CO2 aus. Das ist weit mehr als bei jedem anderen Hersteller. Volkswagen muss seine Lobbyarbeit gegen wichtige europäische Klimaschutzgesetze sofort einstellen und vorhandene Spritspartechnologien serienmäßig und ohne Aufpreis in seine Fahrzeuge einbauen.

Volkswagen will sich augenscheinlich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen und hat große Aufsteller mit der Botschaft “Nr.1 in Sachen Umweltschutz” vor dem CCH platziert. Eine kleine rote Propellermaschine dreht emsig Schleifen um das CCH und zieht ein Werbebanner mit demselben Spruch hinter sich her. Man kann sich gar nicht entscheiden, wie man das finden soll: Lächerlich, albern, verzweifelt oder peinlich?

VW-"Gegendemo" gegen Protestaktion von Greenpeace-Aktivisten

Es gibt Menschen, die mangelnde Kompetenz in bestimmten Lebensdisziplinen kompensieren wollen, indem sie sich T-Shirts überziehen, auf denen dann z.B. steht “Weiberheld” oder weiß der Geier. VW greift heute auf diese nie besonders überzeugende Strategie zurück und vertraut ganz auf die suggestive Macht des geschriebenen Wortes. Allerdings würde auch der Satz “Schweine können fliegen” nicht deswegen wahr werden, weil er auf einem flatternden Flugzeugbanner steht.

Direkt über dem Eingang versuchen andere Greenpeace-Aktivisten ein Banner zu entrollen, vier Kletterer haben sich bereits vom Dach abgeseilt. Das große Banner (“Ehrlicher Klimaschutz jetzt!”) hängt noch auf Halbmast, da erscheinen oben auf dem Dach Sicherheitskräfte – einige von ihnen ebenfalls in Klettermontur – und zerschneiden das Banner. Währenddessen versucht ein Mann einen der Greenpeace-Kletterer aus der Luft auf einen Balkon zu ziehen. Das Vorgehen gegen die Aktivisten sieht nicht albern aus. Eher rabiat oder gefährlich. Kakaogehalt: mindestens 90 Prozent.

"Unruhestifter" (F. Piech) bei der VW-Hauptversammlung im CCH / Hamburg

Aus dem CCH strömen nun lauter Demonstranten Jubelperser bezahlte Schilderträger in blassblauen T-Shirts und gruppieren sich in kleinen Ameisenhaufen unter dem zerrissenen Banner. Sie recken wacker ihre mitgebrachten Schilder in die Höhe, auf denen irgendwelche konfusen Pro-VW-Botschaften zu lesen sind. Irgendjemand bei VW scheint tatsächlich zu glauben, dass sich auf diese Weise Begeisterung authentisch simulieren lässt.

Wie so ein Demonstranten-Casting bei VW wohl abläuft? Wie lange muss man ein Schild ohne Zittern halten können, um den Job zu kriegen? Gibt es einen Recall? Wenigstens tun sich die meisten von VW enagierten Demonstranten den Gefallen und halten sich ihre Bretter schön vor den Kopf.

Da kommt der Rausschmeißer “Unruhestifter!“, mit dem VW-Großherzog Ferdinand Piech Greenpeace-Aktivisten im Saal später vor die Tür setzen ließ, schon fast einem Kompliment gleich.