Greenpeace Gastautor
10.08.2017

Fipronil in aller Munde - Was hat ein Pestizid in Eiern zu suchen?

Der Skandal um verseuchte Eier weitet sich aus. Mittlerweile sind zwölf Länder betroffen. Landwirtschafts-Expertin Christiane Huxdorff fordert ein Umdenken in der Landwirtschaft.

Einem Reinigungsmittel für Geflügelställe wurde das Insektenvernichtungsmittel Fipronil beigemengt. Das gesundheitsgefährdende Fipronil landete in Millionen von Eiern, auch Bio-Eiern, weil in den Ställen damit geputzt wurde.

Die Geschichte hat ihren Anfang in Belgien genommen und ist von dort über Holland auch nach Deutschland geschwappt. In Belgien wussten die Behörden wohl schon seit Anfang Juni Bescheid. Doch weil sie wochenlang keine anderen Behörden darüber informiert haben, ist der Skandal erst Ende Juli bekannt geworden. Somit konnte auch erst sehr verspätet gehandelt werden. Seitdem sind die Anzahl der betroffenen Ställe und die der kontaminierten Eier stündlich weiter nach oben geschnellt. Zuletzt sind auch noch Lieferungen von belasteten Eiern in die Slowakei sowie nach Rumänien und Dänemark aufgetaucht. Der Skandal lässt sich also noch immer nicht in seinem ganzen Ausmaß begreifen.

Aber nicht nur rohe Eier sind betroffen, sondern auch Produkte wie Mayonnaise, Nudeln und Kuchen können betroffen sein - eben all die Produkte in denen Eier verarbeitet sind.

Firpronil ist ein verbotener Insektenvernichter

Bei Fipronil handelt es sich um ein Mittel, welches zur Bekämpfung von Läusen oder Kartoffelkäfern angewendet werden kann. Auf deutschen Äckern ist es derzeit überhaupt nicht zugelassen, da die Zulassung zur Anwendung im Kartoffelanbau ausgelaufen ist. Es handelt sich dabei nämlich um bienengefährdendes Pestizid, welches von der EU verboten ist. Viele kennen das Präparat bestimmt von ihren Hunden oder Katzen um damit Läuse zu bekämpfen. Wie genau in diesem Fall das Fipronil in das auf ätherischen Ölen basierende Reinigungsmittel gelangt ist, konnte von Behörden und Staatsanwaltschaft noch nicht abschließend geklärt werden. Aber alles deutet darauf hin, dass es sich um eine illegale Tat handelt, bei der das Fipronil bewußt und mit voller Absicht in das Reinigungsmittel gemischt wurde.

Der Eiertanz der Behörden

Die Behörden in den unterschiedlichen europäischen Ländern schieben sich gerade den schwarzen Peter noch ein wenig hin und her: Wer hat wen zu spät informiert? Wer Verbraucher unzureichend informiert?

Klar ist: wenn eine Behörde von so einem Skandal Kenntnis erhält, dann muss schnellstmöglich gehandelt werden. Vorsorgender Verbraucherschutz muss an oberster Stelle stehen. Vertuschen und Prozesse mit Absicht zu verlangsamen ist bei so einem Skandal inakzeptabel. Hier stehen die Behörden aller EU-Mitgliedstaaten in der Pflicht, die Gesundheit von uns allen bestmöglich zu schützen!

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat mal wieder geschlafen. Er hat die deutschen Konsumenten zuerst nur lückenhaft informiert und fordert nun, dass die Informationsweitergabe auf europäischer Ebene schneller und besser werden muss. Aus grünen Ministerien wird ein komplettes Verbot von Fipronil gefordert. Greenpeace setzt sich seit Jahren für ein Verbot aller Pestizide ein, die für Bienen gefährlich sind.

Was kann ich jetzt tun?

Bis der Skandal wirklich lückenlos aufgeklärt ist, sollten die Verbraucher auf jeden Fall vorsichtig sein. Am besten den direkten Draht zu Eier-Produzenten suchen und nachfragen, ob das Reinigungsmittel angewendet wurde. In den kommenden Tagen werden von den Behörden weitere Analyse-Ergebnisse ausgewertet und einzelne Betriebe wieder freigegeben. Vielleicht ist dies ja auch eine Chance für uns alle, wieder häufiger selber einen Kuchen zu backen - da können wir nämlich selber entscheiden welche Zutaten wir verwenden. Auf Instagram gibt es übrigens viele Rezepte, die ganz ohne Eier auskommen:

Höchste Zeit für eine bessere Landwirtschaft

Solange solche Stoffe noch in industriellem Maßstab hergestellt und verwendet werden, ist das Risiko immer gegeben, dass sie auch an Orten auftauchen, wo sie gar nicht hingehören.Dafür sind unsere Lebensmittelüberwachungsbehörden nicht gut genug ausgestattet, damit wirklich alles zeitnah aufgedeckt wird und so etwas nicht wieder vorkommt. Skandale wie dieser sind in der industrialisierten Intensivtierhaltung auch keine Einzelfälle. Ob BSE, Gammelfleisch, Pferdefleisch-Skandal oder jetzt der Fipronil-Skandal. Sie alle sind Symptome eines Tierhaltungssystems, das versucht um jeden Preis immer mehr und immer billiger zu produzieren.  

Es ist höchste Zeit hier gegenzusteuern. Wenn wir die Tierhaltung wirklich verbessern wollen und in Zukunft keine weiteren Lebensmittel-Skandale wollen, dann müssen wir endlich weg von dem Gedanken auf Teufel komm raus immer mehr Fleisch, Milch und Eier zu produzieren. In der Tierhaltung muss die oberste Maxime einfach sein: weniger aber besser!

Auf Instagram zeigt Greenpeace, welche Rezepte ganz ohne Eier funktionieren.

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Gastautoren aus der Greenpeace-Welt schreiben über die Kampagnen, für die sie sich in ihren Ländern einsetzen.


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